Tiere richtig ernähren: Was eine bedarfsgerechte Fütterung ausmacht

Andreas Steer
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Inhaltsverzeichnis

Tiere richtig ernähren: Was eine bedarfsgerechte Fütterung ausmacht

Bei der Tierfütterung treffen heute sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Die einen setzen auf BARF oder selbst zusammengestellte Rationen, andere auf Alleinfuttermittel. Manche möchten möglichst viel Fleisch füttern, andere interessieren sich stärker für pflanzliche Komponenten, Fisch, Öle oder bestimmte Ergänzungsfuttermittel.

Dabei beginnt eine bedarfsgerechte Ernährung eigentlich mit einer viel grundlegenderen Frage: Was braucht das Tier überhaupt?

Denn weder „natürlich“ noch „roh“, „pflanzlich“, „tierisch“, „kaltgepresst“ oder „Alleinfuttermittel“ sagen für sich genommen aus, ob eine Ration zu einem bestimmten Tier passt. Entscheidend ist zunächst, ob die Ernährung ausreichend Energie und essentielle Nährstoffe liefert, wie gut diese verfügbar sind und ob die Zusammensetzung zu Tierart, Alter, Aktivität, Haltung und Lebensphase passt.

Und noch etwas ist wichtig: Nahrung besteht nicht nur aus den Nährstoffen, für die wir heute konkrete Bedarfswerte kennen. Sie enthält zahlreiche weitere Bestandteile und komplexe Strukturen, deren Bedeutung teilweise gut untersucht und teilweise noch längst nicht vollständig verstanden ist.

Deshalb wollen wir in diesem Artikel nicht von einer bestimmten Fütterungsphilosophie ausgehen. Wir beginnen beim Tier – und arbeiten uns von dort zur Nahrung vor.


1. Was Tiere über ihre Nahrung brauchen

Bevor wir einzelne Futtermittel beurteilen können, müssen wir zunächst wissen, was ein Tier überhaupt über seine Nahrung aufnehmen muss. Dazu gehören Energie und essentielle Nährstoffe ebenso wie Wasser – wobei sich Bedarf und Bedeutung einzelner Nährstoffe je nach Tierart, Lebensphase und Situation erheblich unterscheiden können.

Energie und Makronährstoffe

Energie und Energiebedarf

Energie ist die Grundlage praktisch aller Lebensvorgänge. Tiere benötigen sie unter anderem für Stoffwechsel, Bewegung, Thermoregulation – also die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur –, Wachstum, Trächtigkeit, Milchbildung und körperliche Leistung.

Wie viel Energie ein Tier tatsächlich braucht, lässt sich jedoch nicht allein anhand seines Körpergewichts bestimmen. Tierart, Alter, Aktivität, Körperzusammensetzung, Umgebungstemperatur, Haltung und Lebensphase können den Bedarf erheblich beeinflussen. (1)(2)(3)(4)

Das erklärt bereits ein Grundproblem pauschaler Fütterungsempfehlungen: Die gleiche Futtermenge kann für zwei Tiere gleichen Gewichts unterschiedlich passend sein. Besonders deutlich wird das beispielsweise bei einem wenig aktiven Familienhund und einem regelmäßig arbeitenden Hund oder bei einem leichtfuttrigen Pferd gegenüber einem Pferd mit hoher körperlicher Belastung.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie energiereich ein Futtermittel ist, sondern wie viel Energie die gesamte Ration im Verhältnis zum tatsächlichen Bedarf bereitstellt.


Protein und Aminosäuren

Protein erfüllt zahlreiche Aufgaben. Proteine sind unter anderem Bestandteile von Muskulatur, Enzymen, Transportproteinen und vielen weiteren Strukturen des Körpers.

Ernährungsphysiologisch benötigt ein Tier jedoch nicht einfach nur eine bestimmte Menge „Protein“. Entscheidend ist auch, welche Aminosäuren daraus zur Verfügung stehen. Vereinfacht kann man sich Proteine als große Moleküle vorstellen, die aus vielen unterschiedlichen Aminosäuren aufgebaut sind. Einige dieser Bausteine kann der Organismus selbst herstellen, andere müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Diese werden als essentielle Aminosäuren bezeichnet.

Welche Aminosäuren über die Nahrung bereitgestellt werden müssen, unterscheidet sich teilweise zwischen den Tierarten. Katzen haben beispielsweise besondere Anforderungen an Taurin. Auch bei Pferden spielt neben der Proteinmenge die Versorgung mit bestimmten Aminosäuren wie Lysin eine wichtige Rolle. Beim Geflügel wird besonders deutlich, warum der reine Rohproteingehalt nur begrenzt aussagekräftig ist: Entscheidend ist letztlich die ausreichende Versorgung mit den benötigten Aminosäuren in einem passenden Verhältnis. (2)(3)(4)(5)

Ein Futtermittel kann deshalb viel Protein enthalten und trotzdem nicht automatisch alle benötigten Aminosäuren im passenden Verhältnis und in gut verfügbarer Form liefern. Wie gut ein Protein tatsächlich genutzt werden kann, hängt außerdem von seiner Verdaulichkeit ab.

Auf diese Unterscheidung zwischen Proteinmenge, Aminosäureprofil und tatsächlicher Verfügbarkeit kommen wir in Kapitel 2 zurück.


Fett und Fettsäuren

Fett ist eine besonders energiereiche Nährstoffquelle, liefert essentielle Fettsäuren und unterstützt die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Fettsäuren sind darüber hinaus Bestandteile biologischer Strukturen und an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. (2)

Entscheidend ist jedoch auch hier nicht nur die Fettmenge. Fette bestehen aus unterschiedlichen Fettsäuren – und diese können im Stoffwechsel unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Besonders anschaulich ist das bei Omega-3-Fettsäuren. Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gehören zwar alle zur Omega-3-Familie, sind aber nicht dasselbe. ALA findet sich vor allem in bestimmten pflanzlichen Quellen wie Leinsamen und Leinöl. EPA und DHA werden dagegen insbesondere über marine Quellen bereitgestellt.

Der Stoffwechsel kann ALA grundsätzlich weiterverarbeiten. Wie weit und wie effizient diese Umwandlung erfolgt, ist jedoch eine andere Frage. Untersuchungen an Hunden zeigen beispielsweise, dass eine ALA-reiche Fütterung die Konzentrationen von ALA und teilweise EPA erhöhen kann, während DHA nicht entsprechend ansteigt. (10)(11)

Damit lässt sich zunächst eine wichtige Grundlage festhalten: „Enthält Omega-3“ ist für eine ernährungsphysiologische Bewertung häufig noch nicht präzise genug. Wir müssen fragen, welche Omega-3-Fettsäure tatsächlich enthalten ist.

Wer die Grundlagen zu Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren sowie die Unterschiede zwischen ALA, EPA und DHA noch genauer verstehen möchte, findet dazu eine ausführliche Einordnung in unserem Artikel zum Omega-6:Omega-3-Verhältnis und den verschiedenen Fettsäuren. Dort steht allerdings die menschliche Ernährung im Mittelpunkt. Gerade bei der Verstoffwechselung von ALA zu EPA und DHA dürfen Erkenntnisse aus dem menschlichen Stoffwechsel nicht ohne Weiteres auf andere Tierarten übertragen werden – deshalb betrachten wir die tierartspezifische Forschung hier gesondert.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ALA deshalb bedeutungslos wäre oder pflanzliche und marine Omega-3-Quellen einfach in „schlechter“ und „besser“ eingeteilt werden könnten. Welche Bedeutung die verschiedenen Fettsäuren für ein Tier haben und was Studien beispielsweise zu Leinöl oder marinen Omega-3-Quellen zeigen, betrachten wir später wesentlich genauer.


Kohlenhydrate und Faser

Auch Kohlenhydrate sind keine einheitliche Stoffgruppe. Zucker, Stärke und verschiedene Faserbestandteile unterscheiden sich deutlich in ihrer Verdauung und physiologischen Funktion.

Hunde und Katzen besitzen beispielsweise keinen zwingenden Bedarf an Kohlenhydraten als eigener Nährstoffklasse, weil sie benötigte Glukose auch aus anderen Ausgangsstoffen bilden können. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie Kohlenhydrate grundsätzlich nicht verwerten können. Richtig aufgeschlossene Stärke kann von beiden Tierarten sehr effizient verdaut werden. (2)

Faser ist wiederum etwas anderes als Stärke. Und auch Faser ist nicht gleich Faser. Manche Faserbestandteile können von Darmmikroorganismen gut fermentiert, also vereinfacht gesagt abgebaut und weiterverarbeitet werden, andere kaum. Manche binden Wasser oder beeinflussen die Konsistenz und Bewegung des Darminhalts. Eigenschaften wie Löslichkeit, Fermentierbarkeit und Viskosität können deshalb beeinflussen, wie sich eine Faserquelle auf Verdauung, Kotbeschaffenheit, Sättigung und mikrobielle Prozesse im Darm auswirkt. (6)

Bei Pferden erhält Faser noch einmal eine andere Bedeutung. Ihr Verdauungssystem ist in besonderem Maße darauf ausgerichtet, faserreiche Pflanzenbestandteile mithilfe von Mikroorganismen im Blind- und Dickdarm zu fermentieren. Hochwertiges Raufutter kann bei vielen gesunden Pferden einen sehr großen Teil der Nährstoffversorgung übernehmen. (3)

Damit begegnet uns bereits ein Muster, das sich durch den gesamten Artikel ziehen wird: Der Name eines Nährstoffs allein sagt noch wenig darüber aus, welche Bedeutung er für eine bestimmte Tierart und eine konkrete Ration besitzt.


Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine

Mineralstoffe und Spurenelemente

Mineralstoffe und Spurenelemente werden zwar in wesentlich geringeren Mengen benötigt als die großen Energieträger, erfüllen aber unverzichtbare Funktionen. Dazu gehören unter anderem Calcium, Phosphor, Natrium, Kalium und Magnesium sowie Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Jod und Selen.

Dabei ist nicht nur entscheidend, ob ein Mineralstoff enthalten ist. Auch Menge, chemische Form, Verhältnis zu anderen Mineralstoffen und Wechselwirkungen mit anderen Bestandteilen der Ration können beeinflussen, wie gut er genutzt werden kann. (1)(2)(3)(4)

Gerade deshalb kann eine Ration auf dem Papier durchaus viele Mineralstoffe enthalten und trotzdem ernährungsphysiologisch ungünstig zusammengesetzt sein.


Vitamine

Vitamine sind organische Verbindungen, die für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt werden. Dazu gehören die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie verschiedene wasserlösliche Vitamine.

Auch hier unterscheiden sich die Anforderungen zwischen Tierarten. Ein anschauliches Beispiel ist die Katze: Sie kann bestimmte pflanzliche Vorstufen von Vitamin A nicht in demselben Umfang nutzen wie viele andere Tierarten und ist deshalb auf bereits gebildetes Vitamin A in der Nahrung angewiesen. (2)

Solche Unterschiede zeigen, warum sich die Qualität einer Ration nicht allein anhand einer Zutatenliste beurteilen lässt. Entscheidend ist, ob die für die jeweilige Tierart benötigten Nährstoffe tatsächlich in ausreichender und nutzbarer Form bereitstehen.


Weitere Nahrungsbestandteile – und was wir noch nicht wissen

Pflanzenstoffe und andere bioaktive Verbindungen

Nahrung besteht jedoch nicht ausschließlich aus den Stoffen, für die wir konkrete Bedarfswerte angeben können. Pflanzen enthalten beispielsweise eine enorme Vielfalt weiterer Verbindungen. Dazu gehören Polyphenole, Flavonoide, Phenolsäuren, Tannine, Terpene, Saponine, Glucosinolate und zahlreiche weitere Stoffgruppen.

Einige dieser Verbindungen werden auf mögliche Einflüsse auf Verdauung, Darmmikrobiom, Stoffwechsel, Immunprozesse oder oxidative Vorgänge untersucht. In verschiedenen Tierarten wurden dabei durchaus interessante Veränderungen beobachtet. Gleichzeitig ergibt die Forschung bislang kein einheitliches Bild. Pflanzen, Extrakte, Konzentrationen, Tierarten und Versuchsbedingungen unterscheiden sich erheblich, und nicht jeder im Labor plausible Mechanismus lässt sich unter realen Fütterungsbedingungen bestätigen. (15)(16)

Gerade deshalb ist eine Unterscheidung wichtig: Dass ein Stoff in einem Futtermittel enthalten ist, bedeutet noch nicht, dass eine bestimmte gesundheitliche Wirkung nachgewiesen ist.

Zwischen dem analytischen Nachweis eines Stoffes und einem tatsächlichen Nutzen für das Tier liegen mehrere Fragen:

  • Wird der Stoff während der Verdauung überhaupt freigesetzt?

  • Wird er aufgenommen oder bereits im Darm verändert?

  • Welche Stoffwechselprodukte entstehen daraus?

  • Erreicht er im Organismus eine biologisch relevante Konzentration?

  • Verändert er lediglich einen Laborwert oder Biomarker?

  • Lässt sich daraus tatsächlich ein gesundheitlicher oder funktioneller Nutzen für das Tier ableiten?

Nicht jede Untersuchung beantwortet alle diese Fragen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der später bei Schwarzkümmel, Mariendistel, Traubenkernen und anderen pflanzlichen Futtermitteln wichtig wird: Eine ganze Pflanze, ein Samen, ein Öl, ein Presskuchen, ein konzentrierter Extrakt und ein isolierter Einzelstoff sind nicht dasselbe. Ein interessantes Ergebnis mit einem hoch konzentrierten Pflanzenextrakt lässt sich deshalb nicht automatisch auf das Öl oder den Presskuchen derselben Pflanze übertragen.


Die Grenzen unseres heutigen Wissens über Nahrung

An dieser Stelle lohnt sich die umgekehrte Frage: Wissen wir bereits alles, was Nahrung im Organismus bewirkt?

Nein. Die Ernährungswissenschaft kann heute viele essentielle Nährstoffe und deren Funktionen sehr genau beschreiben. Gleichzeitig werden weiterhin Wechselwirkungen zwischen Nahrung, Darmmikrobiom, Stoffwechselprodukten und biologischen Signalwegen untersucht.

Dabei müssen wir zwei unterschiedliche Situationen auseinanderhalten. Eine Wirkung kann nach ausreichend guten Untersuchungen nicht bestätigt worden sein – oder eine Frage wurde bislang schlicht noch nicht ausreichend untersucht. „Nicht nachgewiesen“ und „gut untersucht, aber kein Effekt gefunden“ sind nicht dasselbe.

Dasselbe gilt für einen plausiblen Wirkmechanismus. Wenn ein Stoff beispielsweise im Labor antioxidative Eigenschaften zeigt, ist das interessant. Damit ist aber noch nicht bewiesen, dass die Fütterung dieses Stoffes einem Hund, Pferd oder Huhn einen messbaren gesundheitlichen Vorteil bringt.

Umgekehrt können kleine oder frühe Studien durchaus wertvolle Hinweise liefern. Sind beispielsweise nur zehn oder zwölf Tiere untersucht worden, lässt sich ein beobachteter Effekt nicht ohne Weiteres auf die gesamte Tierpopulation übertragen. Er kann aber eine gute Begründung dafür liefern, die Frage anschließend in größeren und unabhängigen Untersuchungen weiterzuverfolgen.

Deshalb werden wir im weiteren Verlauf immer wieder unterscheiden:

  • Was ist ernährungsphysiologisch gut etabliert?

  • Wo gibt es mehrere übereinstimmende Untersuchungen?

  • Wo sehen wir interessante erste Hinweise?

  • Wo ist ein Mechanismus bislang lediglich plausibel?

  • Und wo fehlen schlicht ausreichend gute Untersuchungen?

Wissenschaftliche Unsicherheit bedeutet dabei nicht, dass eine Frage uninteressant ist. Häufig beginnt die eigentlich spannende Forschung genau dort.


Wasser als essentieller Nährstoff

Wasser wird bei Diskussionen über Tierernährung erstaunlich leicht übersehen, obwohl es zu den unmittelbar lebensnotwendigen Bestandteilen der Ernährung gehört.

Der Wasserbedarf hängt unter anderem von Tierart, Körpergröße, Umgebungstemperatur, Aktivität, Futterzusammensetzung und Lebensphase ab. Auch die Futterform spielt eine Rolle. Tiere, die einen größeren Teil ihres Wassers bereits über feuchtes Futter aufnehmen, trinken typischerweise weniger separat als Tiere mit einer trockenen Ration. (2)

Bei Pferden können beispielsweise trockene Heuration, Arbeit, hohe Temperaturen und Laktation den Wasserbedarf deutlich erhöhen. Ein 500 Kilogramm schweres Pferd in geringer Arbeit kann bereits ungefähr 21 bis 29 Liter Wasser täglich aufnehmen; bei ausschließlicher Fütterung von trockenem Heu kann die Wasseraufnahme deutlich höher liegen. (3)

Beim Geflügel stehen Wasseraufnahme, Umgebungstemperatur, Futteraufnahme und Leistung ebenfalls eng miteinander in Verbindung. (4)

Eine bedarfsgerechte Ernährung endet deshalb nicht beim Futtertrog.


2. Entscheidend ist nicht nur, was enthalten ist

Ein hoher Nährstoffgehalt klingt zunächst positiv. Für die Versorgung eines Tieres ist aber entscheidend, wie viel davon tatsächlich verdaut, aufgenommen und im Stoffwechsel genutzt werden kann. Deshalb müssen wir neben dem reinen Gehalt auch Verdaulichkeit, Bioverfügbarkeit, Nährstoffqualität und die Zusammensetzung der gesamten Ration betrachten.


Verdaulichkeit, Bioverfügbarkeit und Nährstoffqualität

Nährstoffgehalt und tatsächlich verfügbare Menge

Ein Nährstoff kann auf dem Papier in hoher Menge vorhanden sein. Entscheidend ist aber unter anderem, ob er:

  • während der Verdauung aus dem Futtermittel freigesetzt wird,

  • vom Tier aufgenommen werden kann,

  • und anschließend in einer für den Stoffwechsel nutzbaren Form zur Verfügung steht.

Diese Schritte sind nicht identisch. Ein Futtermittel kann beispielsweise reich an einem Mineralstoff sein, während andere Bestandteile dessen Aufnahme vermindern. Protein kann analytisch in hoher Menge vorhanden sein, aber unterschiedlich gut verdaut werden. Ein Pflanzenstoff kann in einer Laboranalyse nachweisbar sein, ohne dass bereits geklärt ist, in welcher Form und Menge er im Organismus ankommt.

Das erklärt, warum „reich an X“ nicht automatisch „gut verfügbare Quelle für X“ bedeutet.


Proteinqualität und Aminosäuren

Beim Protein wird dieser Unterschied besonders deutlich. Neben der Gesamtmenge spielen das Aminosäureprofil und die Verdaulichkeit eine wesentliche Rolle. Entscheidend ist letztlich, ob die benötigten essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge verfügbar werden. (2)(3)(4)

Dadurch können zwei Futtermittel mit gleichem Rohproteingehalt ernährungsphysiologisch unterschiedlich zu bewerten sein. Gleichzeitig muss nicht jede einzelne Proteinquelle für sich ein perfektes Aminosäureprofil besitzen. Unterschiedliche Proteinquellen können sich innerhalb einer gut zusammengestellten Ration ergänzen.

Das ist insbesondere für die spätere Diskussion tierischer und pflanzlicher Proteinquellen wichtig. Die einfache Gleichung „tierisches Protein = hochwertig, pflanzliches Protein = minderwertig“ wäre wissenschaftlich zu grob. Pflanzliche Proteinquellen können gut verdaulich sein und wertvolle Aminosäuren liefern. Unterschiede bestehen jedoch zwischen den einzelnen Rohstoffen, ihren Aminosäureprofilen und ihrer Verarbeitung.

Statt nur zu fragen, wie viel Protein ein Futtermittel enthält, müssen wir deshalb wissen: Welche Aminosäuren liefert es, wie gut sind sie verfügbar und wie ergänzen sie die übrige Ration?


Die Form eines Nährstoffs und Wechselwirkungen

Auch die chemische Form eines Nährstoffs und die umgebende Futtermatrix können seine Nutzung beeinflussen.

Ein anschauliches Beispiel ist Phytat. Es kommt natürlicherweise unter anderem in Getreide, Hülsenfrüchten und Saaten vor und kann bestimmte Mineralstoffe binden. Ein Futtermittel kann also analytisch reich an einem Mineralstoff sein, während gleichzeitig ein Teil davon schlechter verfügbar ist. Verarbeitung oder Enzyme können diese Wechselwirkung wiederum verändern. (17)

Andere Wechselwirkungen funktionieren in eine völlig andere Richtung: Fett unterstützt beispielsweise die Aufnahme fettlöslicher Vitamine.

Damit wird Ernährung zu einem System von Beziehungen. Die isolierte Betrachtung einzelner Nährstoffe bleibt wichtig, reicht aber nicht immer aus, um die tatsächliche Versorgung eines Tieres zu beurteilen.


Tierart, Lebensphase, Haltung und individueller Bedarf

Selbst ein hervorragend zusammengesetztes Futtermittel ist nicht automatisch für jedes Tier gleichermaßen geeignet.

Ein wachsender Hund hat andere Anforderungen als ein ausgewachsener Hund. Eine säugende Hündin andere als ein wenig aktiver erwachsener Familienhund. Eine Katze bringt andere stoffwechselphysiologische Voraussetzungen mit als ein Hund. Ein Pferd lebt ernährungsphysiologisch wiederum in einer völlig anderen Welt als beide.

Beim Geflügel verändert beispielsweise die Legeleistung den Bedarf an Energie, Aminosäuren und Mineralstoffen erheblich. Auch die Energiedichte der Ration spielt eine interessante Rolle: Frisst ein Vogel aufgrund einer energiereicheren Ration weniger Futter, müssen Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe entsprechend konzentrierter vorliegen, damit die tägliche Versorgung trotzdem stimmt. (4)(5)

Haltung, Aktivität, Körperkondition und Lebensphase gehören deshalb immer zur Ernährungsbewertung. Und damit verändert sich die eigentliche Frage: Statt pauschal zu fragen, ob ein Futtermittel gesund ist, sollten wir fragen: Was trägt dieses Futtermittel zur Versorgung dieses Tieres in dieser Situation bei?


Die Gesamtration entscheidet

Damit kommen wir zu einem der wichtigsten Grundsätze dieses Artikels: Nicht der Nährstoffreichtum eines einzelnen Futtermittels entscheidet über eine bedarfsgerechte Ernährung, sondern die Zusammensetzung der gesamten Ration.

Ein Futtermittel kann ausgesprochen nährstoffreich sein und trotzdem unnötig sein, wenn die entsprechenden Nährstoffe bereits ausreichend vorhanden sind. Umgekehrt kann ein ernährungsphysiologisch eher unspektakulärer Bestandteil genau das ergänzen, was einer Ration fehlt.

Das gilt für Fleisch genauso wie für Gemüse, Fisch, Öle, Mineralstoffmischungen oder Presskuchen. Bevor wir also später fragen, ob beispielsweise Leinöl, Leinkuchen oder ein anderes Ergänzungsfuttermittel sinnvoll ist, müssen wir zunächst zwei andere Fragen beantworten:

  • Was liefert die bestehende Ration bereits?

  • Was soll durch die Ergänzung überhaupt verändert oder ergänzt werden?

Erst dann lässt sich ein einzelnes Futtermittel sinnvoll beurteilen.


3. Was unterschiedliche Futtermittel liefern – und wie Verarbeitung sie verändert

Ob Fleisch, Fisch, Gemüse, Getreide oder Saaten: Entscheidend ist nicht allein, woher ein Futtermittel stammt, sondern welche Nährstoffe und weiteren Bestandteile es liefert und wie gut das Tier diese nutzen kann. Hinzu kommt eine zweite Frage, die sich kaum davon trennen lässt: Was verändert die Verarbeitung am ursprünglichen Futtermittel – im positiven wie im negativen Sinn?


Ursprüngliche und wenig verarbeitete Futtermittel

Fleisch, Innereien, Ei und andere tierische Futtermittel

Fleisch liefert vor allem Protein und Aminosäuren. Abhängig von Tierart und Teilstück kann der Fettgehalt erheblich variieren. Damit ist Muskelfleisch ein gutes Beispiel für die Unterscheidung zwischen wertvollem Futtermittel und vollständiger Ration.

Knochenfreies Muskelfleisch kann beispielsweise viel Phosphor, aber vergleichsweise wenig Calcium liefern. Eine überwiegend daraus bestehende Ration kann deshalb ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis entwickeln. Gerade bei wachsenden Tieren können entsprechend unausgewogene selbst zusammengestellte Rationen erhebliche Folgen für die Knochenentwicklung haben. Einzelne Fallberichte dokumentieren solche schweren Störungen bei jungen Hunden. (9)

Dabei ist wichtig, was ein Fallbericht aussagen kann – und was nicht. Er kann zeigen, dass ein bestimmtes Problem grundsätzlich auftreten kann. Er sagt aber nicht, wie häufig es in der gesamten Hundepopulation vorkommt oder dass selbst zusammengestellte Rationen grundsätzlich zu solchen Problemen führen.

Das Problem ist also nicht „Fleisch“. Es entsteht, wenn ein ernährungsphysiologisch wertvoller Bestandteil mit einer vollständigen Ration verwechselt wird.

Ähnlich verhält es sich mit Innereien. Leber, Niere, Milz und Herz unterscheiden sich erheblich in ihrer Zusammensetzung. Leber kann beispielsweise sehr hohe Konzentrationen bestimmter Mikronährstoffe wie Vitamin A liefern. Genau diese hohe Nährstoffdichte kann ein Vorteil sein, wenn sie gezielt zur Versorgung beiträgt. In unpassender Menge kann sie aber ebenso zu einer Überversorgung beitragen. Auch hier entscheidet die Gesamtration.

Eier liefern gut verwertbares Protein, Fett und verschiedene Mikronährstoffe. Gleichzeitig zeigen sie bereits, warum die Frage „roh oder verarbeitet?“ nicht immer mit einer einfachen Wertung beantwortet werden kann. Rohes Eiklar enthält Avidin, das Biotin binden kann; Erhitzen verändert beziehungsweise inaktiviert dieses Protein.

Ist gekocht deshalb grundsätzlich besser als roh? Nein. Das Beispiel zeigt zunächst etwas viel Grundsätzlicheres: Verarbeitung kann bestimmte Eigenschaften eines Futtermittels verändern – manchmal erwünscht, manchmal unerwünscht und häufig beides gleichzeitig.


Fisch als Futtermittel – Protein, Fettsäuren und Mikronährstoffe

Fisch wird in der Tierernährung häufig auf Omega-3 reduziert. Das greift zu kurz. Als ganzes Futtermittel kann Fisch hochwertiges Protein, Aminosäuren, Fett und verschiedene Mikronährstoffe liefern. Je nach Fischart unterscheidet sich seine Zusammensetzung jedoch erheblich.

Fisch ist nicht gleich Fisch. Magere und fettreiche Arten unterscheiden sich beispielsweise deutlich in Energiedichte und Fettgehalt. Besonders fettreiche Fischarten können relevante Mengen der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA liefern.

Und damit entsteht eine zweite wichtige Unterscheidung: Fisch ist nicht dasselbe wie Fischöl. Fisch liefert eine komplexe Nährstoffmatrix. Fischöl liefert dagegen im Wesentlichen die Fettfraktion und wird insbesondere als konzentrierte EPA-/DHA-Quelle eingesetzt.

Ebenso wenig ist eine ALA-reiche pflanzliche Fettquelle automatisch mit einer EPA-/DHA-reichen marinen Quelle gleichzusetzen. In einer kontrollierten Untersuchung mit 20 Hunden erhöhte die marine EPA-/DHA-Quelle den Omega-3-Index innerhalb von sechs Wochen deutlich, während die verwendete Leinölquelle dies nicht tat. Die Studie beantwortet damit eine recht konkrete Frage zur Anreicherung von EPA und DHA in roten Blutkörperchen. Mit zehn Hunden pro Gruppe war sie allerdings klein und sagt beispielsweise noch nichts darüber aus, ob sich daraus langfristig ein klinischer Gesundheitsvorteil ergibt. (10)

Andere Untersuchungen zeigen, dass eine ALA-reiche Fütterung bei Hunden durchaus ALA und EPA im Blut erhöhen kann, während DHA nicht entsprechend ansteigt. Eine dieser Untersuchungen umfasste wiederum lediglich zehn Hunde und fand Hinweise darauf, dass individuelle beziehungsweise möglicherweise rassebedingte Unterschiede eine Rolle spielen könnten. Die Autoren selbst hielten weitere Untersuchungen für erforderlich. (11)

Was lernen wir daraus? Nicht, dass Leinöl „nicht funktioniert“, sondern zunächst, dass ALA im Stoffwechsel anders behandelt wird als direkt zugeführtes EPA und DHA.

Interessant wird es, wenn wir nach tatsächlichen gesundheitlichen Wirkungen fragen. In einer kleinen randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie mit 29 Hunden mit atopischer Dermatitis verbesserten sich klinische Werte sowohl unter Leinöl als auch unter einer EPA-/DHA-Supplementierung gegenüber Placebo. Gleichzeitig ließ sich die Verbesserung nicht einfach über die Gesamtaufnahme der Fettsäuren oder das Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis erklären. (12)

Das ist ein interessantes Ergebnis, aber noch kein Beweis dafür, dass Leinöl und Fischöl generell dieselben gesundheitlichen Wirkungen besitzen. Untersucht wurden 29 erkrankte Hunde über zehn Wochen – eine sehr spezielle Population und eine kleine Stichprobe.

Gerade solche Ergebnisse zeigen, warum die einfache Gegenüberstellung „ALA schlechter, EPA/DHA besser“ der Forschung nicht gerecht wird. Für manche Fragestellungen ist die direkte Bereitstellung von EPA und DHA entscheidend. ALA kann trotzdem eigene ernährungsphysiologische Bedeutung besitzen. Welche Konsequenzen daraus für verschiedene Futteröle entstehen, betrachten wir später ausführlicher.


Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte

Auch „pflanzliche Futtermittel“ sind keine homogene Gruppe. Gemüse und Obst können Faser, Mikronährstoffe und zahlreiche Pflanzenstoffe liefern. Getreide und andere stärkehaltige Rohstoffe liefern unter anderem Stärke und je nach Rohstoff Protein und Faser. Hülsenfrüchte wiederum können relevante Mengen an Protein, Stärke und Faser bereitstellen.

Gerade Getreide und Stärke zeigen, wie schnell Ernährungsdiskussionen ideologisch werden können. Die physiologisch engere Frage lautet zunächst: Kann das Tier die enthaltene Stärke überhaupt verdauen?

In einer Untersuchung mit 36 Hunden wurden sechs extrudierte Rationen mit unterschiedlichen Stärkequellen verglichen. Die Stärkeverdaulichkeit lag bei allen untersuchten Rationen über 98 Prozent. Gleichzeitig unterschieden sich die Stärkequellen hinsichtlich Gesamtverdaulichkeit sowie Glukose- und Insulinreaktion nach der Mahlzeit. (13)

Eine ähnlich aufgebaute Untersuchung mit 36 Katzen fand bei allen sechs verwendeten Stärkequellen eine Stärkeverdaulichkeit von über 93 Prozent, wiederum mit Unterschieden zwischen den einzelnen Quellen. (14)

Die Versuche zeigen damit recht überzeugend, dass entsprechend verarbeitete Stärke von Hunden und Katzen grundsätzlich effizient verdaut werden kann. Sie beweisen aber nicht,

  • dass Hunde oder Katzen Stärke zwingend benötigen,

  • dass jede Stärkequelle ernährungsphysiologisch identisch ist,

  • dass beliebig hohe Stärkeanteile sinnvoll sind,

  • oder dass aus hoher Verdaulichkeit automatisch ein langfristiger Gesundheitsvorteil folgt.

Verdaulichkeit beantwortet zunächst die Frage, ob ein Nährstoff verdaut werden kann – nicht automatisch, welche Menge in jeder Lebenssituation optimal ist.

Bei Hülsenfrüchten wird die Bewertung noch komplexer. Sie können Protein und Faser liefern und dadurch wertvolle Bestandteile einer Ration sein. Gleichzeitig unterscheiden sich ihre Aminosäureprofile von anderen Proteinquellen und sie enthalten verschiedene sogenannte antinutritive Faktoren.

Der Begriff klingt zunächst dramatischer, als er sein muss. Gemeint sind natürliche Pflanzenbestandteile, die unter bestimmten Bedingungen beispielsweise Verdauungsenzyme hemmen oder Mineralstoffe und Proteine binden und dadurch deren Nutzung vermindern können. Dazu gehören unter anderem Phytat, Tannine, Lectine und bestimmte Proteaseinhibitoren. (17)

Wie relevant das tatsächlich ist, hängt von Pflanze, Menge, Tierart und Verarbeitung ab. Kochen, Einweichen, Fermentieren oder Extrudieren können verschiedene dieser Stoffe teilweise deutlich reduzieren und gleichzeitig die Verdaulichkeit verändern.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Hülsenfrüchte grundsätzlich „gut“ oder „schlecht“ sind, sondern welche Hülsenfrucht in welcher Form und Menge Bestandteil welcher Gesamtration ist.


Saaten als komplexe pflanzliche Futtermittel

Ölsaaten wie Lein, Raps, Sonnenblume, Leindotter, Hanf oder Schwarzkümmel enthalten gleichzeitig Fett, Protein, Faser, Mineralstoffe und unterschiedliche pflanzliche Begleitstoffe. Die jeweiligen Anteile unterscheiden sich erheblich.

Besonders auffällig sind die unterschiedlichen Fettsäureprofile. Lein ist beispielsweise stark durch ALA geprägt, während andere Saaten deutlich andere Verhältnisse verschiedener Fettsäuren besitzen.

Gleichzeitig ist die ganze Saat mehr als ihre Fettfraktion. Das klingt zunächst selbstverständlich. Für die ernährungsphysiologische Bewertung wird es aber entscheidend, sobald aus derselben Saat durch Verarbeitung verschiedene Produkte entstehen.

Denn beim Pressen wird nicht einfach nur die Form der Saat verändert. Ein erheblicher Teil des Fettes wird von den übrigen Saatbestandteilen getrennt. Damit entstehen aus einem Rohstoff Produkte mit unterschiedlichen Nährstoffprofilen.


Pflanzenstoffe und weitere bioaktive Bestandteile

Pflanzliche Futtermittel enthalten neben klassischen Nährstoffen zahlreiche weitere Verbindungen, darunter Polyphenole, Tannine, Glucosinolate, Saponine, Terpene und andere Stoffgruppen. Das Forschungsfeld ist spannend, aber auch schwierig einzuordnen.

Bei verschiedenen pflanzlichen Stoffen und Extrakten wurden in Tierstudien Veränderungen beispielsweise der Futterverwertung, Verdauung, Zusammensetzung des Darmmikrobioms sowie bestimmter Immun- oder Stoffwechselparameter beobachtet. Reviews sehen deshalb durchaus Potenzial für sogenannte phytogene Futterzusätze. (15)(16)

Gleichzeitig ist die Evidenz heterogen. Pflanzenarten und verwendete Extrakte unterscheiden sich, Konzentrationen und Kombinationen der enthaltenen Stoffe variieren, Dosierungen sind zwischen Studien teilweise kaum vergleichbar und Bioverfügbarkeit sowie Stabilität können unterschiedlich sein. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Tierarten und Haltungsbedingungen sowie fehlende Langzeitdaten für viele Anwendungen.

Das bedeutet nicht, dass beobachtete Effekte wertlos wären. Wiederholt beobachtete Veränderungen können sehr interessante Forschungsansätze liefern. Wir müssen aber genau unterscheiden, was tatsächlich untersucht wurde.

Zeigt ein Pflanzenextrakt in einer Zellkultur eine antioxidative Wirkung, ist damit noch keine Wirkung am lebenden Tier bewiesen. Verändert eine Fütterungsstudie einen Biomarker – also einen messbaren biologischen Wert –, ist das mehr Evidenz, aber noch nicht automatisch ein gesundheitlicher Nutzen. Werden funktionelle oder klinische Effekte schließlich in mehreren gut kontrollierten und möglichst unabhängigen Tierstudien bestätigt, wird die Aussage entsprechend belastbarer.

Und noch etwas ist entscheidend: Pflanze, Samen, Öl, Presskuchen, Extrakt und isolierter Wirkstoff sind keine austauschbaren Begriffe. Wenn ein standardisierter Extrakt mit hoher Konzentration eines bestimmten Pflanzenstoffs untersucht wurde, können wir daraus nicht automatisch ableiten, dass wenige Gramm Presskuchen oder das Öl derselben Pflanze denselben Effekt besitzen.

Eine ähnliche Abgrenzung spielt auch bei Aromen und ätherischen Ölen eine Rolle. Wie sich fette Öle, ätherische Öle und einzelne Aromastoffe unterscheiden, welche Verbindungen aus Pflanzen überhaupt in ein Öl übergehen können und warum Untersuchungen isolierter Einzelstoffe nicht automatisch die Wirkung eines natürlichen Öls beschreiben, erklären wir ausführlicher in unserem Artikel Aromen und ätherische Öle in Speiseölen verstehen. Auch dieser Artikel beschäftigt sich mit Lebensmitteln für den Menschen; die dort erläuterten chemischen Unterschiede zwischen Stoffgruppen und Herstellungsverfahren helfen jedoch dabei zu verstehen, warum bei der Bewertung eines Futtermittels immer die tatsächlich untersuchte Produktform entscheidend ist.

Gerade diese Unterscheidung wird später wichtig, wenn wir uns Schwarzkümmel, Mariendistel oder Traubenkern genauer ansehen.


Verarbeitete Futtermittel und Futterbestandteile

Fast jedes Futtermittel wird in irgendeiner Weise verarbeitet – und „Verarbeitung“ umfasst sehr unterschiedliche Vorgänge. Waschen, Zerkleinern, Mahlen, Kochen, Fermentieren, Trocknen, Pressen, Extrudieren, Extrahieren oder Raffinieren verändern einen Rohstoff auf völlig unterschiedliche Weise.

Deshalb ist bereits die Frage „Ist verarbeitetes Futter gut oder schlecht?“ wissenschaftlich zu grob.

Eine systematische Auswertung von 121 Studien zur Verarbeitung und zu häufigen Qualitätsaussagen rund um Heimtierfutter kam Ende 2025 zu einem bemerkenswert nüchternen Ergebnis: Verarbeitung kann sowohl günstige als auch ungünstige Veränderungen hervorrufen. Die Ergebnisse hingen stärker vom konkreten Rohstoff und Verfahren ab als von einer einfachen Einteilung nach Verarbeitungsintensität. (18)

Auch eine solche Übersichtsarbeit beantwortet natürlich nicht jede Frage zu jedem einzelnen Verfahren. Sie unterstützt aber einen wichtigen Grundsatz: Wir sollten Verarbeitung nicht anhand eines Etiketts beurteilen, sondern anhand dessen, was sie mit einem konkreten Futtermittel tatsächlich macht.


Kochen, Trocknen, Mahlen und Fermentieren

Zerkleinern und Mahlen können Pflanzenstrukturen aufbrechen und Verdauungsenzymen den Zugang zu Nährstoffen erleichtern. Erhitzen kann Mikroorganismen reduzieren und bestimmte hitzeempfindliche antinutritive Faktoren inaktivieren. Gleichzeitig können hohe Temperaturen empfindliche Nährstoffe verändern.

Fermentation wiederum kann mithilfe von Mikroorganismen oder deren Enzymen Pflanzenstrukturen und bestimmte antinutritive Faktoren verändern. Das zeigt bereits, warum „weniger verarbeitet“ nicht automatisch „ernährungsphysiologisch besser“ bedeutet.

Eine Verarbeitung kann beispielsweise:

  • die hygienische Sicherheit erhöhen,

  • Stärke oder Protein besser verdaulich machen,

  • bestimmte antinutritive Faktoren reduzieren,

  • gleichzeitig aber empfindliche Nährstoffe verändern,

  • Pflanzenstoffe abbauen oder umwandeln,

  • oder unter bestimmten Bedingungen neue Reaktionsprodukte entstehen lassen.

Welche dieser Veränderungen praktisch relevant sind und ob Vorteile oder Nachteile überwiegen, hängt vom Rohstoff und vom konkreten Verfahren ab.


Pressen, Extrahieren, Raffinieren und Fraktionieren

Andere Verfahren verfolgen nicht primär das Ziel, einen gesamten Rohstoff besser verdaulich zu machen. Sie trennen oder konzentrieren bestimmte Bestandteile.

Bei der mechanischen Ölpressung wird beispielsweise ein erheblicher Teil des Fettes aus einer Saat entfernt. Dadurch entstehen zwei ernährungsphysiologisch unterschiedliche Produkte: Öl und Presskuchen.

Extraktions-, Raffinations- oder Fraktionierungsverfahren können Bestandteile noch weiter voneinander trennen, unerwünschte Stoffe reduzieren oder bestimmte Eigenschaften gezielt verändern. Das kann erwünscht sein. Wenn beispielsweise gezielt eine Fettquelle benötigt wird, kann die Abtrennung der Ölfraktion genau das leisten. Gleichzeitig enthält das entstandene Öl zwangsläufig nicht mehr dieselbe Nährstoffmatrix wie die ursprüngliche Saat.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie stark ein Rohstoff verarbeitet wurde, sondern was durch den Verarbeitungsschritt erreicht werden sollte und was sich dabei tatsächlich verändert hat.


Extrudieren und weitere industrielle Verarbeitung

Extrusion kombiniert typischerweise Feuchtigkeit, Druck, mechanische Beanspruchung und Wärme. Sie wird unter anderem eingesetzt, um Futtermittel zu formen und bestimmte Rohstoffstrukturen zu verändern.

Dadurch kann Stärke aufgeschlossen werden, sodass Verdauungsenzyme leichter darauf zugreifen können. Auch bestimmte antinutritive Faktoren können reduziert werden. Gleichzeitig hängen die Auswirkungen stark von Temperatur, Feuchtigkeit, Dauer, Rohstoff und Prozessführung ab.

Genau deshalb ist „extrudiert“ zunächst die Beschreibung eines Verfahrens und noch kein Qualitätsurteil. Die wissenschaftlich interessante Frage beginnt erst danach: Welche Veränderungen hat die konkrete Extrusion in diesem konkreten Futtermittel hervorgerufen?


Wie Verarbeitung die Eigenschaften eines Futtermittels verändert

Verdaulichkeit und Bioverfügbarkeit

Verarbeitung kann Nährstoffe besser zugänglich machen. Ein einfaches Beispiel ist Stärke. Wird ihre ursprüngliche Struktur durch Feuchtigkeit und Wärme verändert, können Verdauungsenzyme leichter darauf zugreifen. Die bereits beschriebenen Untersuchungen bei Hund und Katze zeigen, wie effizient entsprechend verarbeitete Stärke verdaut werden kann. (13)(14)

Auch bei pflanzlichen Proteinquellen können Kochen, Fermentieren oder andere Verfahren die Verdaulichkeit verändern.

Damit entsteht ein interessanter Gegensatz zu der verbreiteten Vorstellung, ein möglichst unveränderter Rohstoff müsse automatisch am besten verwertbar sein. Manchmal verbessert Verarbeitung die Verwertbarkeit gerade dadurch, dass sie die ursprüngliche Struktur verändert.

Aber das ist nur die eine Seite.


Veränderungen von Nährstoffen und anderen Inhaltsstoffen

Dieselbe Verarbeitung, die einen Stoff besser verfügbar macht, kann einen anderen reduzieren oder verändern. Beim Erhitzen können beispielsweise hitzeempfindliche Verbindungen verloren gehen. Bei Einweich- oder Kochprozessen können wasserlösliche Bestandteile in das Prozesswasser übergehen. Gleichzeitig können unerwünschte Enzymaktivitäten oder antinutritive Faktoren vermindert werden.

Auch Pflanzenstoffe können durch Verarbeitung abgebaut, freigesetzt oder chemisch verändert werden. Deshalb führt die Suche nach dem pauschal „schonendsten“ Verfahren nicht automatisch zur ernährungsphysiologisch besten Antwort.

Ein Prozess kann gegenüber einem hitzeempfindlichen Vitamin weniger schonend sein und gleichzeitig die Verdaulichkeit eines anderen Nährstoffs verbessern oder einen problematischen Pflanzenstoff reduzieren. Die sinnvollere Frage lautet deshalb: Schonend gegenüber welchem Bestandteil – und mit welchem ernährungsphysiologischen Ziel?


Neu entstehende Verbindungen und Maillard-Reaktion

Verarbeitung kann nicht nur vorhandene Bestandteile verändern. Unter bestimmten Bedingungen können auch neue Verbindungen entstehen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Maillard-Reaktion. Dabei reagieren unter anderem bestimmte Zucker mit Aminogruppen von Aminosäuren oder Proteinen. Diese Reaktionen sind beispielsweise für typische Bräunungs- und Aromaprozesse vieler erhitzter Lebensmittel verantwortlich.

Ernährungsphysiologisch interessiert uns dabei unter anderem Lysin. Durch Maillard-Reaktionen kann ein Teil des Lysins chemisch verändert werden. Vereinfacht gesagt kann dann zwar weiterhin Lysin beziehungsweise lysinhaltiges Protein analytisch erfasst werden, ein Teil davon steht dem Organismus aber nicht mehr in derselben nutzbaren Form zur Verfügung. Untersuchungen an kommerziellen Tierfuttern zeigen, dass Gesamtlysin und sogenanntes reaktives, also potenziell verfügbares Lysin voneinander abweichen können. Gleichzeitig scheinen nicht nur die Verarbeitung, sondern auch die verwendeten Rohstoffe eine Rolle zu spielen. (19)(20)

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell eine zunächst plausible Aussage zu weit gehen kann. Wir können daraus ableiten, dass Maillard-Reaktionen die Verfügbarkeit von Lysin beeinflussen können. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass extrudiertes oder erhitztes Futter deshalb zu einem Lysinmangel führt.

Noch vorsichtiger müssen wir bei sogenannten Advanced Glycation End Products, kurz AGEs, sein. Das sind verschiedene weiterführende Reaktionsprodukte, die unter anderem im Zusammenhang mit Maillard-Reaktionen entstehen können.

Untersuchungen zeigen, dass sich die Konzentrationen bestimmter Maillard-Produkte zwischen unterschiedlichen Futterarten unterscheiden können. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung verglich beispielsweise frische, extrudierte, nasse, gefriergetrocknete und kaltgepresste Hundefutter. Dabei wurden Unterschiede gefunden. Allerdings waren die Gruppen sehr ungleich groß; unter anderem war nur ein einziges kaltgepresstes Produkt enthalten. Eine allgemeine Aussage über „kaltgepresstes Hundefutter“ lässt sich daraus deshalb nicht ableiten. (21)

Selbst wenn ein Futtermittel mehr von einem bestimmten AGE enthält, bleibt außerdem eine entscheidende Frage offen: Hat diese Konzentration beim Tier langfristig tatsächlich eine gesundheitliche Bedeutung?

Das ist bislang nicht ausreichend geklärt. Damit ist die Forschung keineswegs uninteressant. Im Gegenteil: Tiere können über Jahre sehr ähnliche Futtermittel aufnehmen. Die Frage nach langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Maillard-Produkte ist deshalb wissenschaftlich relevant und weitere Forschung sinnvoll.

Der derzeitige Kenntnisstand erlaubt nur noch keinen voreiligen Schluss. Ein messbarer Unterschied kann biologisch interessant sein, ist aber noch kein nachgewiesener langfristiger Gesundheitsschaden.


Ölsaat, Öl und Presskuchen als Beispiel für Verarbeitung

Kaum ein Beispiel zeigt die Wirkung von Verarbeitung auf ein Nährstoffprofil so anschaulich wie eine Ölsaat. Aus demselben Ausgangsrohstoff entstehen durch mechanische Pressung zwei Produkte, die ernährungsphysiologisch unterschiedliche Funktionen erfüllen können.


Was beim Pressen einer Ölsaat passiert

Bei der Pressung wird ein erheblicher Teil des in der Saat enthaltenen Öls mechanisch aus der Pflanzenmatrix gelöst. Dabei entstehen Öl und Presskuchen.

Die Trennung ist allerdings nicht vollständig. Presskuchen ist keine vollständig entfettete Saat. Ein Teil des Öls verbleibt darin. Wie viel, hängt unter anderem von Saat, Sorte, Feuchtigkeit und Pressbedingungen ab.

Eine Übersichtsarbeit zu kaltgepressten Presskuchen aus Raps, Hanf, Lein, Sonnenblume, Leindotter und Kürbiskernen zeigt entsprechend erhebliche Unterschiede in ihrer Zusammensetzung. Die Autoren bewerten solche Presskuchen grundsätzlich als interessante Protein- und Fettquellen. Gleichzeitig waren die Ergebnisse von Fütterungsversuchen keineswegs einheitlich. Sie unterschieden sich je nach Presskuchen, Zusammensetzung, Einsatzmenge, Tierart und Versuchsdauer. Bei Schweinen und Geflügel können außerdem antinutritive Faktoren die Futteraufnahme oder Nährstoffnutzung begrenzen. (22)

Das ist für unsere spätere Betrachtung entscheidend: „Presskuchen“ ist keine einheitliche ernährungsphysiologische Kategorie. Wir müssen jeden Presskuchen anhand seiner tatsächlichen Zusammensetzung und seines Einsatzes beurteilen.


Ölsaat, Öl und Presskuchen: Gleicher Rohstoff – unterschiedliche Nährstoffprofile

Vereinfacht können wir die drei Formen so unterscheiden:

  • Die ganze Ölsaat enthält unter anderem Fett, Protein, Faser, Mineralstoffe und verschiedene pflanzliche Begleitstoffe.

  • Das Öl konzentriert vor allem die Fettfraktion mit ihrem charakteristischen Fettsäureprofil und bestimmten fettlöslichen oder ölbegleitenden Bestandteilen.

  • Der Presskuchen enthält weiterhin Protein, Faser, Mineralstoffe, verschiedene Pflanzenstoffe und einen variablen Anteil Restöl.

Diese Trennung ist nicht absolut. Einzelne Stoffe können teilweise in mehreren Fraktionen vorkommen, und ihre Verteilung hängt vom Rohstoff und vom Herstellungsverfahren ab. Damit bleibt im Presskuchen auch ein Teil der für die Saat charakteristischen Fettsäuren erhalten. Wie bedeutend dieser Anteil ernährungsphysiologisch ist, hängt unter anderem vom tatsächlichen Restölgehalt und von der eingesetzten Menge ab.

Deshalb sind Ölsaat, Öl und Presskuchen trotz desselben Ausgangsrohstoffs nicht austauschbar.

Noch wichtiger wird diese Unterscheidung bei Pflanzenstoffen. Ein Ergebnis aus einer Studie mit einem konzentrierten Pflanzenextrakt lässt sich nicht automatisch auf das Öl derselben Pflanze übertragen. Eine Studie mit dem Samen beweist nicht dieselbe Wirkung für den Presskuchen. Und ein isolierter Wirkstoff kann in einer völlig anderen Konzentration untersucht worden sein, als sie über ein Futtermittel jemals aufgenommen würde.

Deshalb werden wir später beispielsweise sehr genau unterscheiden zwischen Schwarzkümmelsamen, Schwarzkümmelöl, Schwarzkümmelkuchen und isoliertem Thymochinon oder zwischen Mariendistelsamen, Mariendistelöl, Mariendistelkuchen und einem konzentrierten Silymarin-Extrakt.

Damit landen wir wieder bei einer Frage, die für den gesamten Artikel wichtig ist: Was wissen wir über das konkrete Futtermittel, das tatsächlich im Napf oder Futtertrog landet – und was wissen wir lediglich über einen verwandten Rohstoff, einen Extrakt oder einen daraus isolierten Stoff?

Erst wenn wir diese Ebenen sauber auseinanderhalten, können wir später sinnvoll beurteilen, wann Futteröle oder Presskuchen eine Ration tatsächlich ergänzen können.


4. BARF, selbst gekocht, Fertigfutter oder pflanzlich: Was sagt die Forschung?

BARF, selbst gekochte Rationen, Trocken- oder Nassfutter und pflanzliche Ernährung werden häufig wie konkurrierende Ernährungskonzepte diskutiert. Ernährungsphysiologisch ist jedoch eine andere Frage entscheidender: Wie zuverlässig deckt die jeweilige Ration den Bedarf des Tieres – und welche Vor- und Nachteile entstehen tatsächlich durch Zusammensetzung, Verarbeitung und Fütterungspraxis?

Deshalb wollen wir keine Fütterungsform zum grundsätzlichen Sieger erklären. Wir schauen uns an, was die Forschung tatsächlich zeigt, wie belastbar die Ergebnisse sind und welche Fragen noch offenbleiben.


BARF und selbst zusammengestellte Rationen

BARF und selbst zusammengestellte Rationen ermöglichen eine genaue Kontrolle darüber, welche Futtermittel in welcher Menge eingesetzt werden. Damit geht allerdings auch ein größerer Teil der Verantwortung für die Nährstoffversorgung auf denjenigen über, der die Ration zusammenstellt.

BARF und selbst gekochte Rationen sollten dabei nicht gleichgesetzt werden. Einige Risiken – insbesondere die mikrobiologischen – hängen speziell mit rohem Fleisch zusammen. Die Frage nach einer ausreichenden Nährstoffversorgung betrifft dagegen grundsätzlich jede selbst zusammengestellte Ration.


Möglichkeiten und Vorteile einer individuellen Fütterung

Eine individuell zusammengestellte Ration ermöglicht es, Rohstoffe, Mengen und Verarbeitung gezielt auszuwählen. Das kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn einzelne Futtermittel nicht vertragen werden oder die Zusammensetzung sehr gezielt angepasst werden soll.

Diese Flexibilität ist allerdings zunächst eine Eigenschaft der Fütterungsform und noch kein nachgewiesener gesundheitlicher Vorteil. Ob daraus tatsächlich eine bessere Versorgung entsteht, hängt von der konkreten Zusammenstellung ab.

Studien finden zwischen roh und konventionell gefütterten Hunden beispielsweise Unterschiede bei Verdaulichkeit, Kotparametern, Darmmikrobiom und verschiedenen Stoffwechselparametern. Eine Untersuchung von 2024 mit 55 Hunden fand Unterschiede im Darmmikrobiom und bei zahlreichen Serum-Metaboliten; einige lokale Entzündungsmarker im Darm waren bei den roh gefütterten Hunden erhöht, während systemische Entzündungsmarker keine entsprechenden Unterschiede zeigten. Die langfristige gesundheitliche Bedeutung dieser Veränderungen bleibt offen. (23)

Damit begegnet uns erneut eine wichtige Unterscheidung: Ein verändertes Mikrobiom oder ein veränderter Biomarker ist ein Befund – noch kein Gesundheitsnachweis.


Nährstoffversorgung und mögliche Ungleichgewichte

Dass selbst zusammengestellte Rationen nicht automatisch bedarfsdeckend sind, zeigen verschiedene Untersuchungen. In einer deutschen Studie mit 95 tatsächlich verfütterten BARF-Rationen erwachsener Hunde wurden bei einem erheblichen Teil Abweichungen bei Mineralstoffen und Vitaminen festgestellt. (8)

Eine weitere Untersuchung analysierte 106 veröffentlichte Rezepte für selbst zubereitete Hunde- und Katzenrationen. Bei allen untersuchten Rezepten lag mindestens ein Nährstoff unter den zugrunde gelegten FEDIAF-Empfehlungen; fast die Hälfte enthielt zudem keine ausreichend präzisen Angaben zu Zutaten und Mengen. (7)

Solche Berechnungen zeigen zunächst potenzielle Versorgungslücken und nicht automatisch klinische Mangelzustände. Trotzdem sind sie relevant, wenn eine Ration über Monate oder Jahre die Hauptnahrung darstellt.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung liefert dazu ein differenziertes Bild: Roh gefütterte Hunde hatten gegenüber Hunden mit kommerzieller Komplettnahrung im Mittel eine schlankere Körperkondition und niedrigere Energieaufnahme. Gleichzeitig wurden unter anderem ein ungünstigeres Calcium-Phosphor-Verhältnis der Rationen sowie niedrigere Serumkonzentrationen von Jod, Kupfer, Zink und Mangan festgestellt. Klinische Zeichen entsprechender Mangelzustände wurden jedoch nicht beobachtet. (24)

Die Studie zeigt damit weder, dass BARF grundsätzlich vor Übergewicht schützt, noch dass zwangsläufig Mangelkrankheiten entstehen. Sie unterstreicht vielmehr: Eine selbst zusammengestellte Ration kann bedarfsgerecht sein – ihre Bedarfsdeckung muss aber tatsächlich geplant werden.


Was Studien zu BARF und selbst zusammengestellten Rationen zeigen

Zu möglichen Vorteilen roher Fütterung existieren interessante Untersuchungen. Viele betrachten allerdings kleine Tiergruppen, kurze Zeiträume oder indirekte Endpunkte wie Verdaulichkeit, Kotparameter, Mikrobiom und Blutwerte.

Kontrollierte Fütterungsstudien fanden beispielsweise Unterschiede zwischen rohen, gegarten und extrudierten Rationen bei Verdaulichkeit, Kotmetaboliten und Darmmikrobiom. Die untersuchten Gruppen waren jedoch klein und die Rationen unterschieden sich teilweise zugleich in ihrer Zusammensetzung. Damit lässt sich nicht immer sauber trennen, welcher Effekt auf die Verarbeitung und welcher auf unterschiedliche Zutaten oder Nährstoffprofile zurückgeht. (25)(26)

Ein aktueller Review von 2025 kommt entsprechend zu dem Ergebnis, dass weitreichende gesundheitliche Vorteile roher Fütterung bislang nicht ausreichend abgesichert sind, mögliche positive Effekte aber weiter untersucht werden sollten. (27)

Der derzeitige Stand lässt sich deshalb relativ klar zusammenfassen: Unterschiedliche Fütterungsformen können messbare physiologische Unterschiede hervorrufen. Dass BARF als Fütterungsprinzip langfristig gesünder ist, ist damit bislang nicht belegt.


Hygiene und besondere Risiken roher Futtermittel

Deutlicher ist die Evidenz beim mikrobiologischen Risiko. Rohes Fleisch durchläuft keinen Erhitzungsschritt, der vorhandene Krankheitserreger zuverlässig reduziert.

In einer Schweizer Untersuchung von 51 kommerziellen Rohfutterproben überschritten 72,5 Prozent die untersuchten Grenzwerte für Enterobacteriaceae; Salmonellen wurden in 3,9 Prozent und antimikrobiell resistente Bakterien in 62,7 Prozent der Proben gefunden. (28) Eine schwedische Untersuchung von 60 Rohfutterpackungen fand ebenfalls häufig Enterobacteriaceae sowie in einzelnen Proben Salmonellen und Campylobacter. (29)

Hinzu kommt die mögliche Ausscheidung resistenter Bakterien durch roh gefütterte Hunde. Entsprechende Zusammenhänge wurden wiederholt beobachtet, und neuere Untersuchungen weisen auch auf mögliche Übertragungswege zwischen roh gefütterten Hunden und Menschen hin. (30)(31)

Das bedeutet nicht, dass jedes Rohfutter kontaminiert ist oder ein roh gefüttertes Tier erkrankt. Das zusätzliche mikrobiologische Risiko ist jedoch real und wesentlich besser belegt als viele der behaupteten gesundheitlichen Vorteile von BARF. Besondere Vorsicht ist sinnvoll, wenn kleine Kinder, ältere oder immungeschwächte Menschen im Haushalt leben.


Fertigfutter und Alleinfuttermittel

Bei kommerziellem Tierfutter kann die ernährungsphysiologische Zusammensetzung bereits bei der Produktentwicklung geplant und kontrolliert werden. Entscheidend ist dabei insbesondere die Unterscheidung zwischen Allein- und Ergänzungsfuttermitteln.


Was Alleinfuttermittel leisten sollen

„Alleinfuttermittel“ ist keine bloße Werbeformulierung. Nach der europäischen Definition ist ein solches Futtermittel dazu vorgesehen, aufgrund seiner Zusammensetzung die tägliche Ration vollständig abzudecken. Für Hunde und Katzen geben die FEDIAF-Leitlinien dazu unter anderem Empfehlungen und Grenzwerte für Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine vor. (1)

Darin liegt ein systematischer Vorteil: Die Bedarfsdeckung wird bereits bei der Formulierung der gesamten Ration berücksichtigt.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch „für jedes Tier optimal“ oder „jeder anderen Fütterungsform überlegen“. Auch Analysen kommerzieller Produkte zeigen Abweichungen von Nährstoffempfehlungen. Eine aktuelle systematische Übersicht fand solche Abweichungen bei unterschiedlichen Futtertypen – einschließlich fleischbasierter und veganer Produkte. (32)

Die Untersuchung weist allerdings relevante Interessenkonflikte auf: Die Erstautorin wurde von der Sustainable Pet Food Foundation mit der Arbeit beauftragt, ein weiterer Autor ist dort affiliiert und ein Co-Autor arbeitet als Berater für ein Tierfutterunternehmen. Die Ergebnisse sind deshalb nicht wertlos, sollten aber zusammen mit unabhängigen Untersuchungen betrachtet werden. (32)


Rohstoffe, Zusammensetzung und Verarbeitung

Ein Fertigfutter kann sehr unterschiedliche Rohstoffe enthalten. Die Zutatenliste allein sagt deshalb ebenso wenig über die Bedarfsdeckung aus wie der Verarbeitungsgrad.

Wie Kapitel 3 gezeigt hat, kann Verarbeitung die Verdaulichkeit verbessern, Mikroorganismen reduzieren und antinutritive Faktoren verändern, gleichzeitig aber auch empfindliche Nährstoffe oder andere Verbindungen beeinflussen.

Die Stärke eines gut formulierten Alleinfuttermittels liegt deshalb nicht darin, dass es industriell hergestellt wurde, sondern darin, dass eine vollständige Ration gezielt formuliert und kontrolliert werden kann. Rohstoffauswahl, Rezeptur, Prozessführung, Lagerung und Qualitätskontrolle bleiben trotzdem relevant.


Trockenfutter, Nassfutter und andere Futterformen

Trocken-, Nass-, Frisch-, kaltgepresste und rohe Futtermittel unterscheiden sich unter anderem in Wassergehalt, Energiedichte und Verarbeitung. Die Futterform allein ist deshalb kein ausreichendes Qualitätskriterium.

Ein praktisch wichtiger Unterschied ist der Wassergehalt. Besonders bei Katzen ist dieser relevant: Eine aktuelle Auswertung von 32 Publikationen zeigt, dass Katzen mit Trockenfutter insgesamt tendenziell weniger Wasser aufnahmen und konzentrierteren Urin produzierten als Katzen mit feuchteren Rationen oder zusätzlicher Flüssigkeitsaufnahme. (33)

Daraus folgt nicht, dass Trockenfutter grundsätzlich krank macht oder Nassfutter automatisch gesünder ist. Es zeigt, dass der Wassergehalt der Ration bei Katzen physiologisch relevant ist.


Was Studien zu bedarfsdeckenden kommerziellen Rationen zeigen

Der wesentliche Vorteil eines bedarfsdeckend formulierten kommerziellen Futters ist die Möglichkeit, eine vollständige Nährstoffversorgung reproduzierbar bereitzustellen. Eine Kennzeichnung als Alleinfuttermittel macht Rohstoffqualität, Verarbeitung und analytische Kontrolle jedoch nicht bedeutungslos.

Die entscheidende Trennlinie verläuft deshalb weniger zwischen „selbst gemacht“ und „gekauft“ als zwischen nachvollziehbar bedarfsdeckend und nicht ausreichend überprüft.

Eine professionell berechnete selbst gekochte Ration kann diese Anforderung erfüllen. Ein sorgfältig entwickeltes Alleinfuttermittel ebenfalls. Eine zufällige Mischung vermeintlich gesunder Zutaten tut es nicht automatisch.


Pflanzliche und vegane Ernährung von Hund und Katze

Kaum eine Fütterungsfrage wird so grundsätzlich diskutiert wie die vegane Ernährung. Dabei hilft erneut die Perspektive aus Kapitel 1: Tiere benötigen zunächst Nährstoffe und nicht bestimmte ideologische Kategorien von Zutaten. Die Herkunft ist trotzdem nicht bedeutungslos, weil Tierarten unterschiedliche Stoffwechselwege besitzen und pflanzliche und tierische Rohstoffe sich in Nährstoffprofil und Verfügbarkeit unterscheiden.

Vor allem Hund und Katze müssen hier getrennt betrachtet werden.


Möglichkeiten und Nährstoffversorgung beim Hund

Hunde können Stärke und zahlreiche pflanzliche Proteinquellen grundsätzlich verwerten. Ein Review von 2026 fand bei untersuchten pflanzlichen Proteinquellen und entsprechend formulierten vegetarischen beziehungsweise veganen Rationen überwiegend hohe Verdaulichkeitswerte. (34)

Der Review stammt allerdings von einem einzelnen Autor, Andrew Knight, der zugleich mit der Sustainable Pet Food Foundation affiliiert ist und sich intensiv für die Erforschung pflanzlicher Tierernährung engagiert. PubMed weist formal keine Interessenkonflikte aus. Wegen dieser institutionellen und thematischen Nähe sollte die Arbeit trotzdem nicht als alleinige Grundlage für weitreichende Aussagen zur veganen Ernährung dienen. Für die engere Frage der Verdaulichkeit bestimmter pflanzlicher Proteinquellen ist sie jedoch relevant. (34)

Damit ist die Behauptung, Hunde könnten pflanzliches Protein grundsätzlich nicht nutzen, nicht haltbar. Eine andere Frage ist, ob eine vollständig pflanzliche Ration langfristig alle benötigten Nährstoffe in ausreichender und verfügbarer Form bereitstellt.

Eine prospektive Studie begleitete 15 gesunde erwachsene Hunde über zwölf Monate mit einem kommerziellen pflanzlichen Futter. Klinische Untersuchungen sowie Blut-, Aminosäure-, Vitamin- und Herzparameter ergaben während dieses Zeitraums keine Hinweise auf eine unzureichende Versorgung. (35)

Die Studie wurde durch die Plant-Based Dog Food Health Study Initiative finanziert; die Autoren erklären, dass die Geldgeber keinen Einfluss auf Durchführung oder Publikation hatten und das untersuchte V-Dog-Futter mit Forschungsgeldern gekauft wurde. Ein kommerzielles Sponsoring durch V-Dog wird ausdrücklich verneint. (35)

Die wichtigere Einschränkung ist deshalb methodisch: 15 Hunde, nur ein pflanzliches Futter und keine parallel randomisierte Fleisch-Kontrollgruppe. Die Studie zeigt, dass diese entsprechend formulierte Ration bei diesen Hunden über zwölf Monate funktionieren konnte. Sie beweist weder die Eignung jeder veganen Hunderation noch eine gesundheitliche Überlegenheit gegenüber fleischhaltiger Ernährung.


Besondere Anforderungen der Katze

Bei Katzen ist die Situation anspruchsvoller. Als obligate Karnivoren besitzen sie besondere ernährungsphysiologische Anforderungen, unter anderem an Taurin, Arachidonsäure und bereits gebildetes Vitamin A sowie einen hohen Bedarf an Protein und bestimmten Aminosäuren. (1)(2)

Eine pflanzliche Ration müsste diese Nährstoffe deshalb gezielt in geeigneter Form bereitstellen. Theoretische Formulierbarkeit und tatsächliche Bedarfsdeckung eines konkreten Produkts sind jedoch zwei verschiedene Dinge.

Eine deutsche Analyse von vier veganen Alleinfuttermitteln für Hunde und Katzen fand bei einzelnen Produkten Abweichungen bei verschiedenen Nährstoffen. Vier Produkte erlauben kein Urteil über sämtliche veganen Futtermittel, zeigen aber, warum die konkrete Zusammensetzung überprüft werden muss. (36)

Gerade bei Katzen ist deshalb besondere Zurückhaltung angebracht: Die langfristige klinische Evidenz für vegane Ernährung ist bislang deutlich begrenzter als die theoretische Möglichkeit, benötigte Nährstoffe gezielt zu supplementieren.


Was Studien zu pflanzlicher und veganer Tierernährung zeigen

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 identifizierte 16 Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen veganer Ernährung bei Hund und Katze. Für die meisten Endpunkte wurde die Evidenz als niedrig oder sehr niedrig bewertet. Es fanden sich keine überzeugenden Hinweise auf weitreichende Schäden und teilweise Hinweise auf mögliche Vorteile – für belastbare Langzeitaussagen reichen die Daten jedoch nicht aus. (37)

Daneben gibt es große Beobachtungsstudien mit günstigeren, von Haltern berichteten Gesundheitsindikatoren vegan ernährter Hunde. Eine Studie mit 2.536 Hunden gehört dazu. (38) Ihre Aussagekraft ist jedoch deutlich begrenzt: Die Fütterung wurde nicht randomisiert, wesentliche Gesundheitsinformationen beruhten auf Halterangaben und mehrere Autoren weisen relevante finanzielle beziehungsweise beratende Beziehungen auf, unter anderem zu ProVeg International, Edgard & Cooper und VEGDOG. (38)

Das Ergebnis ist deshalb ein interessantes epidemiologisches Signal, aber kein belastbarer Nachweis dafür, dass vegane Ernährung Hunde gesünder macht.

Insgesamt ergibt sich ein differenziertes Bild: Gut formulierte pflanzliche Rationen können beim Hund grundsätzlich funktionieren. Daraus folgt weder, dass jede vegane Ration bedarfsdeckend ist, noch dass sie gesundheitlich überlegen ist. Bei Katzen sind die Anforderungen an die Formulierung besonders hoch und die langfristigen klinischen Daten noch begrenzter.


Was sich aus dem Vergleich der Fütterungsformen ableiten lässt

Die bisherige Forschung liefert keinen überzeugenden Grund, eine Fütterungsform allein aufgrund ihres Namens zum Sieger zu erklären.

BARF ermöglicht eine genaue Kontrolle der Rohstoffe, erfordert aber eine sorgfältige Rationsplanung; das zusätzliche mikrobiologische Risiko rohen Fleisches ist gut dokumentiert. Selbst gekochte Rationen können individuell und bedarfsdeckend zusammengestellt werden, wenn ihre Nährstoffversorgung entsprechend berechnet wird.

Alleinfuttermittel besitzen den strukturellen Vorteil einer auf Bedarfsdeckung ausgerichteten Formulierung. Das macht jedoch nicht jedes Produkt automatisch optimal. Auch pflanzliche Rationen können insbesondere beim Hund bedarfsdeckend formuliert werden; für behauptete langfristige Gesundheitsvorteile ist die Evidenz bislang schwach, und bei Katzen bestehen besondere ernährungsphysiologische Anforderungen und größere Forschungslücken.

Damit bleibt die entscheidende Frage dieselbe: Deckt die konkrete Ration den Bedarf des konkreten Tieres zuverlässig, welche zusätzlichen Risiken bringt sie mit sich – und wie gut kennen wir ihre langfristigen Auswirkungen?

Genau deshalb müssen wir im nächsten Kapitel wieder stärker zum Tier selbst zurückkehren. Denn was für einen Hund geeignet ist, muss für eine Katze noch lange nicht passen – und auf Pferd oder Huhn lässt sich beides erst recht nicht einfach übertragen.


5. Hund, Katze, Pferd und Huhn bedarfsgerecht ernähren

Die grundlegenden Nährstoffgruppen sind bei vielen Tierarten ähnlich – ihre Bedeutung und die Art ihrer Nutzung können sich jedoch erheblich unterscheiden. Eine bedarfsgerechte Fütterung beginnt deshalb nicht beim Futtermittel, sondern bei der Tierart und ihrer Verdauungs- und Stoffwechselphysiologie.

Hunde richtig ernähren

Ernährungsphysiologische Besonderheiten des Hundes

Hunde können sowohl tierische als auch zahlreiche pflanzliche Futtermittel nutzen. Sie können entsprechend aufgeschlossene Stärke effizient verdauen und Aminosäuren, Fettsäuren und andere Nährstoffe aus unterschiedlichen Quellen beziehen. Entscheidend ist deshalb weniger die einfache Kategorie „tierisch oder pflanzlich“ als die Zusammensetzung und Verdaulichkeit der gesamten Ration. (2)(13)

Diese Anpassungsfähigkeit bedeutet allerdings nicht, dass Hunde mit beliebigen Lebensmitteln bedarfsgerecht ernährt werden können. Sie benötigen definierte Mengen essentieller Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine. Gleichzeitig kann sich ihr Energiebedarf abhängig von Alter, Aktivität, Körperkondition, Körpergröße und Lebensphase erheblich unterscheiden. (1)(2)

Auch bei Fettsäuren zeigt sich eine Besonderheit, die wir bereits kennengelernt haben: Hunde können die pflanzliche Omega-3-Fettsäure ALA im Stoffwechsel weiterverarbeiten. Untersuchungen zeigen jedoch, dass dadurch ALA, EPA und DHA nicht ernährungsphysiologisch gleichgesetzt werden können. Eine ALA-reiche Fütterung kann ALA und teilweise EPA im Blut erhöhen, ohne DHA entsprechend anzuheben. (10)(11)


Nährstoffbedarf und geeignete Futtermittel

Für die praktische Fütterung wird deshalb vor allem die individuelle Situation entscheidend. Ein sehr aktiver Arbeitshund kann erheblich mehr Energie benötigen als ein wenig aktiver Hund gleichen Körpergewichts. Wachstum, Trächtigkeit und Laktation verändern den Bedarf ebenfalls deutlich. Umgekehrt sollte bei einem übergewichtigen Hund nicht allein die Nährstoffversorgung, sondern auch die Energiedichte der gesamten Ration betrachtet werden. (1)(2)

Genau deshalb müssen Ergänzungen einen konkreten Zweck erfüllen. Ein zusätzliches Öl verändert beispielsweise das Fettsäureprofil der Ration, liefert gleichzeitig aber konzentrierte Energie. Ein proteinreiches Ergänzungsfuttermittel kann sinnvoll sein, wenn dadurch tatsächlich eine Versorgungslücke geschlossen wird – nicht allein deshalb, weil Protein grundsätzlich wichtig ist.

Pauschale Empfehlungen wie „ein Esslöffel Öl pro Tag“ sind deshalb ohne Bezug auf Tier, Körpergewicht, Grundration und Ziel der Ergänzung nur begrenzt aussagekräftig.


Katzen richtig ernähren

Ernährungsphysiologische Besonderheiten der Katze

Katzen sind obligate Karnivoren. Entscheidend an diesem Begriff ist nicht, dass Katzen lediglich bevorzugt Fleisch fressen, sondern dass ihre Evolution als Beutegreifer besondere Anforderungen an Stoffwechsel und Nährstoffversorgung hervorgebracht hat.

Dazu gehören unter anderem besondere Anforderungen an Taurin, Arachidonsäure und bereits gebildetes Vitamin A sowie ein vergleichsweise hoher Bedarf an Protein beziehungsweise bestimmten Aminosäuren. (1)(2)

Ein anschauliches Beispiel ist Taurin. Während andere Tierarten einen größeren Teil ihres Bedarfs aus schwefelhaltigen Aminosäuren selbst synthetisieren können, ist diese körpereigene Bildung bei Katzen begrenzt. Eine unzureichende Taurinversorgung kann unter anderem schwerwiegende Auswirkungen auf Herz und Netzhaut haben. (2)

Auch Vitamin A verdeutlicht den Unterschied: Katzen können pflanzliches Beta-Carotin nicht in ausreichendem Umfang in Vitamin A umwandeln und benötigen deshalb bereits gebildetes Vitamin A über die Nahrung. (2)

Damit wird verständlich, warum sich eine für Hunde geeignete Ration nicht einfach auf Katzen übertragen lässt. Ähnliche Körpergröße oder gemeinsame Haltung bedeuten keine identische Ernährungsphysiologie.


Besondere Anforderungen an Nährstoffe und Wasser

Neben der Nährstoffversorgung verdient bei Katzen die Wasseraufnahme besondere Aufmerksamkeit. Katzen stammen evolutionär von Tieren ab, die einen erheblichen Teil ihres Wasserbedarfs über ihre Beute deckten. Entsprechend kann die Zusammensetzung der Nahrung die gesamte Wasseraufnahme deutlich beeinflussen.

Wie in Kapitel 4 beschrieben, zeigt eine aktuelle Auswertung von 32 Publikationen, dass Katzen mit Trockenfutter insgesamt tendenziell weniger Wasser aufnahmen und konzentrierteren Urin produzierten als Katzen mit feuchteren Rationen oder zusätzlicher Flüssigkeitsaufnahme. (33)

Daraus folgt nicht, dass Trockenfutter grundsätzlich ungeeignet oder Nassfutter automatisch überlegen ist. Der Wassergehalt der Ration ist bei Katzen aber ein ernährungsphysiologisch relevanter Faktor, der zusammen mit der tatsächlichen Trinkmenge betrachtet werden sollte.

Gerade bei Katzen ist deshalb eine präzise artspezifische Bewertung wichtiger als die Übernahme allgemeiner Empfehlungen aus der Hunde- oder menschlichen Ernährung.


Pferde richtig füttern

Verdauungsphysiologie, Raufutter und Faser

Das Pferd unterscheidet sich grundlegend von Hund und Katze. Als Hinterdarmfermentierer verdaut es einen Teil seiner Nahrung zunächst enzymatisch in Magen und Dünndarm; schwerer enzymatisch abbaubare Faserbestandteile gelangen anschließend in Blind- und Dickdarm.

Dort lebt eine große Gemeinschaft von Mikroorganismen, die pflanzliche Faser fermentiert. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren, die vom Pferd aufgenommen und als wichtige Energiequelle genutzt werden können. (3)

Damit ist Faser für das Pferd nicht lediglich ein schwer verdaulicher Bestandteil des Futters. Die kontinuierliche Aufnahme geeigneten Raufutters ist ein zentraler Bestandteil seiner Verdauungsphysiologie.

Für viele gesunde ausgewachsene Pferde kann hochwertiges Raufutter deshalb einen großen Teil des Energie- und Nährstoffbedarfs decken. Merck weist darauf hin, dass viele ausgewachsene Pferde bei guter Raufutterqualität und geringer bis moderater Leistung wenig oder gar kein zusätzliches Kraftfutter benötigen. (3)(50)

Das verändert die Perspektive auf Ergänzungsfuttermittel erheblich: Beim Pferd sollte häufig nicht zuerst gefragt werden, was zusätzlich gefüttert werden kann, sondern was das vorhandene Raufutter bereits liefert und was tatsächlich fehlt.


Energie, Protein, Fett, Mineralstoffe und Wasser

Der Bedarf eines Pferdes verändert sich unter anderem mit Körpergewicht, Wachstum, Trächtigkeit, Laktation und körperlicher Arbeit. Auch beim Protein ist nicht allein die Rohproteinmenge entscheidend. Proteinqualität und insbesondere die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren wie Lysin spielen eine wichtige Rolle. (3)

Zusätzliches Fett kann die Energiedichte einer Ration erhöhen, ohne gleichzeitig große Mengen Stärke zuzuführen. Pferde können entsprechend angepasste Fettmengen grundsätzlich verwerten. Ob eine zusätzliche Fettquelle sinnvoll ist, hängt aber wiederum davon ab, ob überhaupt zusätzliche Energie oder eine gezielte Veränderung des Fettsäureprofils benötigt wird.

Auch Mineralstoffe müssen im Zusammenhang betrachtet werden. Calcium und Phosphor sind beispielsweise nicht nur hinsichtlich ihrer absoluten Mengen, sondern auch in ihrer Relation relevant. Bei stärker schwitzenden Pferden gewinnen zusätzlich Elektrolyte wie Natrium und Chlorid an Bedeutung. (3)

Wasser bleibt schließlich einer der wichtigsten und gleichzeitig leicht übersehenen Bestandteile der Ration. Ein 500 Kilogramm schweres Pferd in geringer Arbeit kann bereits ungefähr 21 bis 29 Liter Wasser täglich aufnehmen; bei trockener Heufütterung, Arbeit, Hitze oder Laktation kann die benötigte beziehungsweise freiwillig aufgenommene Menge deutlich steigen. (3)

Beim Pferd müssen deshalb Raufutter, Energie, Protein, Mineralstoffe, Wasser und mögliche Ergänzungen immer als Gesamtsystem betrachtet werden.


Hühner richtig füttern

Energie, Protein und essentielle Aminosäuren

Auch das Huhn besitzt eine sehr eigene Verdauungsphysiologie. Futter wird nach der Aufnahme unter anderem im Kropf zwischengespeichert, im Drüsenmagen chemisch vorbereitet und anschließend im Muskelmagen mechanisch zerkleinert. Ein großer Teil der enzymatischen Verdauung und Nährstoffaufnahme findet danach im Dünndarm statt. In den Blinddärmen können außerdem bestimmte unverdaute Bestandteile mikrobiell fermentiert werden. (4)

Für die Rationsgestaltung ist besonders das Zusammenspiel von Energieaufnahme und Nährstoffkonzentration wichtig. Hühner regulieren ihre Futteraufnahme in erheblichem Umfang anhand der Energiedichte der Ration. Steigt die Energiekonzentration und sinkt dadurch die aufgenommene Futtermenge, müssen essentielle Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine trotzdem in ausreichender Menge aufgenommen werden. (4)(5)

Auch deshalb reicht der Rohproteingehalt allein nicht aus. Geflügel besitzt streng genommen keinen Bedarf an einer bestimmten Rohproteinzahl, sondern an essentiellen Aminosäuren sowie ausreichend Aminostickstoff zur Bildung nichtessentieller Aminosäuren. (5)

Bei Legehennen kommt ein besonders hoher Calciumumsatz für die Bildung der Eierschale hinzu. Damit verändern Leistung und Lebensphase die Anforderungen an die Ration erheblich. (4)


Mineralstoffe, Getreide, Saaten und Faser

Getreide und Saaten können in Geflügelrationen wichtige Quellen für Energie, Protein und Fett darstellen. Auch verschiedene Presskuchen können Protein, Restöl, Faser und Mineralstoffe beitragen.

Dabei ist allerdings die tatsächliche Zusammensetzung entscheidend. Saaten und Presskuchen unterscheiden sich unter anderem in Proteinqualität, Fasergehalt, Restöl und natürlichen Pflanzenstoffen. Bei höheren Einsatzmengen können insbesondere Faser oder bestimmte antinutritive Faktoren die Verdaulichkeit und Futteraufnahme beeinflussen. (22)

Das bedeutet nicht, dass solche Futtermittel ungeeignet sind. Untersuchungen mit verschiedenen Ölsaatenkuchen zeigen vielmehr, dass sie sinnvolle Bestandteile gut formulierter Geflügelrationen sein können, ihre geeignete Einsatzmenge aber vom jeweiligen Rohstoff und der Gesamtration abhängt. (22)

Auch beim Huhn gilt deshalb derselbe Grundsatz wie bei den anderen Tierarten: Ein Futtermittel wird nicht dadurch bedarfsgerecht, dass es viele wertvolle Inhaltsstoffe enthält. Es muss mit seinem konkreten Nährstoffprofil zur gesamten Ration und zur Leistung des Tieres passen.

 

6. Wann Ergänzungen der Ration sinnvoll sein können

Ergänzungsfuttermittel sind dann sinnvoll, wenn sie eine konkrete ernährungsphysiologische Aufgabe innerhalb der Gesamtration erfüllen. Deshalb sollte nicht zuerst gefragt werden, welches Öl oder welcher Presskuchen besonders „gesund“ ist, sondern was die vorhandene Ration bereits liefert, was ihr tatsächlich fehlt und was durch die Ergänzung gezielt verändert werden soll.


Erst die Grundration beurteilen, dann gezielt ergänzen

Energie, Protein und Faser

Futteröle liefern konzentrierte Energie. Presskuchen können je nach Ausgangssaat und Pressung Protein, Faser, Restöl und Mineralstoffe beitragen. Beides kann ernährungsphysiologisch sinnvoll sein – wenn diese Eigenschaften zum Bedarf des Tieres und zur übrigen Ration passen.

Ein energiereiches Öl kann bei erhöhtem Energiebedarf hilfreich sein, bei einem bereits überversorgten Tier aber unerwünschte zusätzliche Energie liefern. Ebenso verbessert ein proteinreicher Presskuchen eine Ration nicht automatisch, wenn Protein und essentielle Aminosäuren bereits ausreichend vorhanden sind.

Ergänzen bedeutet deshalb nicht automatisch verbessern. Entscheidend ist die Funktion der Ergänzung innerhalb der Gesamtration.

 

Mineralstoffe und Vitamine

Auch Mineralstoffe und Vitamine sind essentiell, sollten aber nicht nach dem Prinzip „mehr ist besser“ ergänzt werden.

Bei selbst zusammengestellten Rationen können gezielte Ergänzungen notwendig sein, um Versorgungslücken zu schließen. Zusätzliche Mineral- oder Vitaminpräparate zu einem bereits bedarfsdeckend mineralisierten Alleinfuttermittel können dagegen unnötig sein und im ungünstigen Fall das Verhältnis einzelner Nährstoffe verschieben.

Eine mögliche Unterversorgung sollte deshalb anhand der gesamten Ration beurteilt werden.

 

Fettsäuren und weitere Nahrungsbestandteile

Bei Futterölen steht häufig das Fettsäureprofil im Mittelpunkt. Wie bereits gezeigt, sind ALA, EPA und DHA ernährungsphysiologisch nicht gleichzusetzen.

Ein ALA-reiches Pflanzenöl erfüllt deshalb eine andere ernährungsphysiologische Funktion als eine direkte EPA-/DHA-Quelle; ein ölsäurereiches Öl besitzt wiederum ein anderes Profil. Zusätzlich liefert jedes Öl Energie.

Bei Pflanzenstoffen müssen wir ebenso genau unterscheiden: Ergebnisse mit einer Saat, einem Presskuchen, Extrakt oder isolierten Pflanzenstoff sind nicht automatisch auf das daraus gewonnene Öl übertragbar. Gerade bei Schwarzkümmel und Mariendistel ist diese Unterscheidung entscheidend.

 

Futteröle gezielt einsetzen

Futteröle nach ihrem Fettsäureprofil beurteilen

Die ernährungsphysiologisch wichtigste Eigenschaft eines Futteröls ist zunächst seine Fett- und Fettsäurezusammensetzung. Deshalb gibt es nicht das eine „beste Futteröl“.

Das zeigt ein direkter Vergleich bei 30 Pferden, die über 16 Wochen Lein-, Leindotter- oder Rapsöl erhielten. Die Fettsäuremuster im Plasma veränderten sich entsprechend den unterschiedlichen Ölprofilen, während sich Körpergewicht, Body Condition Score, Blutbild und grundlegende biochemische Gesundheitsparameter zwischen den Gruppen nicht unterschieden. (40)

Das ausgewählte Öl kann also nachweisbar die Fettsäureversorgung verändern – daraus folgt aber nicht automatisch eine darüber hinausgehende Gesundheitswirkung.

 

Leinöl in der Tierfütterung

Leinöl zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Alpha-Linolensäure (ALA) aus und ist damit eine konzentrierte pflanzliche Quelle dieser Omega-3-Fettsäure.

Bei Hunden zeigen Untersuchungen, dass eine ALA-reiche Fütterung die Konzentrationen von ALA und teilweise EPA im Blut erhöhen kann, ohne DHA entsprechend anzuheben. (10)(11) Leinöl ist deshalb ernährungsphysiologisch nicht mit einer direkten EPA-/DHA-Quelle gleichzusetzen.

Auch bei Pferden wurde dieser Effekt beobachtet. In einer kleinen kontrollierten Studie mit zwölf Pferden erhöhte eine mit Leinöl angereicherte Ration unter anderem ALA und EPA im Plasma, während DHA nicht entsprechend anstieg; die ebenfalls untersuchte Thrombozytenaggregation veränderte sich nicht. (39) Neuere Untersuchungen bestätigen Veränderungen der Fettsäuremuster durch Leinöl, fanden im Vergleich mit Leindotter- und Rapsöl jedoch keine wesentlichen Unterschiede bei grundlegenden Gesundheits-, Immun- und Entzündungsparametern. (40)(41)

Damit können wir relativ sicher sagen, was Leinöl liefert und nachweislich verändert: Es ist eine konzentrierte ALA-Quelle und kann die Fettsäurezusammensetzung im Organismus beeinflussen. Weitergehende Gesundheitswirkungen müssen dagegen an Tierart, untersuchten Endpunkt und Studienlage gebunden bleiben.

Unser Leinöl für Tiere ist ein Beispiel für ein solches ALA-reiches Futteröl.


Rapsöl in der Tierfütterung

Rapsöl liefert konzentrierte Energie, besitzt aber ein deutlich anderes Fettsäureprofil als Leinöl: Es enthält überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren sowie Linolsäure und ALA. Im direkten Pferdevergleich spiegelten sich diese Unterschiede auch in den Plasmafettsäuren wider. (40)

Soll gezielt viel ALA zugeführt werden, ist Leinöl konzentrierter. Steht dagegen zusätzliche Fettenergie im Vordergrund, muss die Wahl des Öls im Zusammenhang mit der Gesamtration erfolgen. Rapsöl ist damit nicht „schlechteres Leinöl“, sondern eine Fettquelle mit einem anderen ernährungsphysiologischen Profil.

Auch unser Rapsöl für Tiere sollte deshalb anhand dieser konkreten Funktion innerhalb der Ration beurteilt werden.


Schwarzkümmelöl in der Tierfütterung

Schwarzkümmel (Nigella sativa) enthält neben Fett zahlreiche weitere Pflanzenstoffe. Besonders häufig untersucht wird Thymochinon, eine bioaktive Verbindung, die vor allem mit der flüchtigen beziehungsweise ätherischen Fraktion des Samens in Verbindung steht.

Hier ist die Produktform entscheidend. Die wissenschaftliche Literatur untersucht ganze Samen, Samenmehl, fettes Öl, ätherisches Öl, Extrakte und isoliertes Thymochinon. Diese Produkte besitzen unterschiedliche Zusammensetzungen und dürfen nicht als austauschbar behandelt werden.

Tierstudien – besonders bei Geflügel – berichten für verschiedene Schwarzkümmelprodukte unter bestimmten Versuchsbedingungen Veränderungen von Leistungs-, Stoffwechsel-, Immun- oder mikrobiologischen Parametern. Die unterschiedlichen Produktformen, Dosierungen und Tierarten erschweren jedoch die Übertragung auf ein konkretes Schwarzkümmelöl.

Deshalb wäre die pauschale Aussage „Schwarzkümmelöl stärkt das Immunsystem oder die Atemwege“ wissenschaftlich zu weitgehend. Die vorhandene Forschung liefert interessante Hinweise, entscheidend bleibt aber, welches Produkt bei welcher Tierart tatsächlich untersucht wurde.

Das gilt entsprechend auch für unser Schwarzkümmelöl für Pferde und Hunde: Entscheidend sind die Eigenschaften des konkreten Öls und nicht pauschal Ergebnisse zu Samen, Extrakten oder isolierten Pflanzenstoffen.


Mariendistelöl in der Tierfütterung

Bei Mariendistel ist die Unterscheidung der Produktformen besonders wichtig. Viele bekannte Untersuchungen beschäftigen sich mit Silymarin, einer Mischung verschiedener Flavonolignane, oder mit entsprechend standardisierten Extrakten. Das ist nicht dasselbe wie Mariendistelöl.

Ein Review zur Verwendung von Mariendistel bei Nutz- und Heimtieren fasst zahlreiche interessante Befunde zusammen, weist aber auch darauf hin, dass in Teilen der Literatur Produktform, Zusammensetzung oder Dosierung nicht ausreichend eindeutig beschrieben werden. (42)

Nach der mechanischen Ölpressung verbleiben viele nicht fettlösliche beziehungsweise an die feste Samenfraktion gebundene Bestandteile überwiegend im Presskuchen. Forschung zu Silymarin, Extrakten oder Mariendistelpresskuchen kann deshalb nicht als Wirkungsnachweis für Mariendistelöl verwendet werden.

Mariendistelöl sollte zunächst anhand seines tatsächlichen Fett- und Fettsäureprofils bewertet werden. Eine pauschale Aussage wie „Mariendistelöl unterstützt die Leber“ wäre ohne spezifische Evidenz für diese Produktform nicht ausreichend abgesichert.

Entsprechend ordnen wir auch unser Mariendistelöl für Tiere zunächst als Futteröl mit seinem konkreten Fett- und Fettsäureprofil ein.

 

Weitere Futteröle

Dasselbe Grundprinzip gilt für Leindotter-, Hanf- und andere Pflanzenöle: Entscheidend ist zunächst, welche Fettsäuren und weiteren Bestandteile das konkrete Öl tatsächlich liefert.

Leindotteröl ist beispielsweise ebenfalls ALA-reich. Im direkten Pferdevergleich veränderten Lein-, Leindotter- und Rapsöl die Fettsäuremuster unterschiedlich. Eine weitere Untersuchung fand entsprechende Unterschiede in der Einlagerung verschiedener Fettsäuren in die Haut, aber keine wesentlichen Unterschiede bei den untersuchten Immun- und Entzündungsreaktionen. (40)(41)

Damit bestätigt sich: Unterschiedliche Öle können unterschiedliche Fettsäuremuster erzeugen, ohne dass daraus automatisch unterschiedliche klinische Gesundheitswirkungen folgen.


Menge, Oxidationsstabilität und Lagerung von Futterölen

Mit der Ölmenge steigen gleichzeitig Fett- und Energiezufuhr. Die sinnvolle Menge hängt deshalb von Tierart, Körpergewicht, Energiebedarf, Grundration und gewünschtem Fettsäureprofil ab.

Auch die Oxidationsstabilität unterscheidet sich. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren reagieren aufgrund ihrer chemischen Struktur empfindlicher auf oxidative Veränderungen als einfach ungesättigte Fettsäuren. ALA-reiche Öle wie Leinöl sind entsprechend oxidationsempfindlicher.

Licht, Wärme und Sauerstoff können diese Prozesse beschleunigen. Futteröle sollten deshalb passend zum jeweiligen Öl dunkel, gut verschlossen und unter geeigneten Temperaturen gelagert sowie nach dem Öffnen innerhalb eines angemessenen Zeitraums verbraucht werden. Deutlich ranzig oder anderweitig sensorisch auffällige Öle sollten nicht verfüttert werden.

 

Presskuchen als Ergänzungsfuttermittel

Presskuchen ernährungsphysiologisch beurteilen

Presskuchen entstehen, wenn bei der mechanischen Pressung ein Teil des Öls aus einer Saat abgetrennt wird. Im Presskuchen verbleiben Restöl, Protein, Faser, Mineralstoffe und unterschiedliche Anteile weiterer Samenbestandteile.

Eine Übersichtsarbeit zu kaltgepresstem Raps-, Hanf-, Lein-, Sonnenblumen-, Leindotter- und Kürbiskernkuchen zeigt, dass diese Futtermittel relevante Protein- und Fettquellen sein können. Die Ergebnisse von Fütterungsstudien unterscheiden sich jedoch teilweise deutlich – abhängig von Presskuchen, chemischer Zusammensetzung, Einsatzmenge, Tierart und Versuchsdauer. (22)

„Presskuchen“ beschreibt damit ein Herstellungsprinzip, aber noch kein einheitliches Nährstoffprofil.

 

Leinkuchen als Futtermittel

Leinkuchen enthält nach der Pressung Restöl mit einem weiterhin ALA-reichen Fettsäuremuster, gleichzeitig aber deutlich mehr Protein und Faser als Leinöl. Dadurch erfüllt er eine andere ernährungsphysiologische Funktion: Neben Fett und ALA gelangen Protein, Faser, Mineralstoffe und weitere Bestandteile der Saat in die Ration.

Leinsamen enthalten außerdem natürliche Verbindungen wie cyanogene Glycoside. Deren Bedeutung hängt von Rohstoff, Verarbeitung, tatsächlichem Gehalt, Einsatzmenge und Tierart ab.

Die Beurteilung eines Leinkuchens als Futtermittel sollte deshalb möglichst auf seiner tatsächlichen Analyse und der vorgesehenen Menge innerhalb der Gesamtration beruhen.


Leindotterkuchen als Futtermittel

Leindotterkuchen kann Protein, Faser und Restöl mit vergleichsweise viel ALA liefern. Gleichzeitig enthält Leindotter natürlicherweise unter anderem Glucosinolate und Phytat.

Eine kontrollierte Studie mit 744 Broilern untersuchte Rationen mit 0, 8, 16 oder 24 Prozent Leindotterkuchen. Bis 24 Prozent wurden keine erhöhte Mortalität oder auffälligen klinischen Befunde festgestellt; gleichzeitig nahm mit steigender Einsatzmenge die Verdaulichkeit verschiedener Nährstoffe ab. (43) Weitere Untersuchungen bestätigen seinen ernährungsphysiologischen Wert als Energie- und Aminosäurequelle für Geflügel. (44)

Das zeigt anschaulich: Die Einsatzmenge ist selbst Teil der ernährungsphysiologischen Bewertung eines Futtermittels.

Dasselbe Prinzip gilt bei der Einordnung unseres Leindotterkuchens.


Sonnenblumenkuchen als Futtermittel

Sonnenblumenkuchen liefert vor allem Protein und Faser sowie – abhängig von Saat und Pressverfahren – Restöl. Besonders der Schalenanteil kann den Fasergehalt deutlich beeinflussen.

Bei monogastrischen Tieren kann ein hoher Faseranteil Energiedichte und Verdaulichkeit begrenzen, während Sonnenblumenkuchen gleichzeitig eine interessante Proteinquelle sein kann. Untersuchungen bei Geflügel zeigen entsprechend, dass Sonnenblumenpressprodukte in Rationen integriert werden können, die geeignete Einsatzmenge aber von Alter, Zusammensetzung des Presskuchens und übriger Ration abhängt. (22)

Für die Beurteilung unseres Sonnenblumenkuchens sind deshalb Protein, Aminosäureprofil, Faser und Restöl aussagekräftiger als die Bezeichnung „Sonnenblumenkuchen“ allein.


Hanfkleie als Futtermittel

Ganze Hanfsamen, geschälte Samen, Hanföl, Presskuchen und stärker faserreiche Hanffraktionen besitzen deutlich unterschiedliche Nährstoffprofile.

Für Hanfpresskuchen zeigen Untersuchungen bei Geflügel, dass er grundsätzlich als Protein-, Fett- und Faserquelle in entsprechend formulierte Rationen integriert werden kann. In einer Studie mit 180 langsam wachsenden Broilern führten fünf beziehungsweise zehn Prozent Hanfpresskuchen nicht zu schlechteren Wachstumsparametern; gleichzeitig veränderten sich unter anderem Fettsäureprofil und bestimmte Darmparameter. (45) Eine weitere Untersuchung mit 240 Hühnern prüfte Einsatzmengen bis 20 Prozent. (46)

Für Hanfkleie dürfen diese Ergebnisse jedoch nicht automatisch übernommen werden. Handelt es sich um eine andere, stärker faserreiche Fraktion, muss sie anhand ihrer eigenen Zusammensetzung bewertet werden. Das gilt entsprechend für unsere Bio-Hanfkleie.


Schwarzkümmelkuchen als Futtermittel

Schwarzkümmelkuchen enthält nach der Pressung weiterhin Protein, Faser, Restöl und verschiedene Samenbestandteile und unterscheidet sich damit sowohl vom Öl als auch von Extrakten oder isoliertem Thymochinon.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung mit 144 Broilern testete Schwarzkümmelsamenmehl in Anteilen bis 4,5 Prozent über 45 Tage. Futteraufnahme, Gewichtszunahme und Schlachtkörpermerkmale unterschieden sich nicht signifikant; bei 4,5 Prozent verbesserten sich dagegen Futterverwertung und bestimmte Parameter des Blinddarmmikrobioms. (47)

Das ist ein interessanter Befund, aber kein allgemeiner Wirkungsnachweis für Schwarzkümmelkuchen: Untersucht wurde Schwarzkümmelsamenmehl bei Broilern, nicht automatisch kaltgepresster Schwarzkümmelkuchen oder andere Tierarten.

 

Mariendistelkuchen als Futtermittel

Mariendistelkuchen ist besonders interessant, weil nach der Ölpressung Bestandteile der festen Samenfraktion zurückbleiben, darunter Verbindungen aus dem Silymarin-Komplex.

Für Mariendistel existieren Untersuchungen bei verschiedenen Nutztieren und auch Pferden. Die Datenlage ist jedoch heterogen: Produktform, Silymaringehalt, Dosierung, Tierart und Endpunkte unterscheiden sich teilweise erheblich. Der bereits erwähnte Review weist ausdrücklich auf diese Schwierigkeiten hin. (42)

Mariendistelkuchen ist deshalb nicht mit einem standardisierten Silymarin-Extrakt gleichzusetzen. Die vorhandene Forschung liefert interessante Ansätze, reicht aber nicht aus, um unserem oder einem anderen konkreten Mariendistelkuchen pauschal eine leberunterstützende Wirkung zuzuschreiben.


Traubenkernkuchen und weitere Presskuchen

Traubenkerne und daraus entstehende Pressprodukte enthalten unter anderem Faser und verschiedene phenolische Verbindungen. Diese Pflanzenstoffe haben zu zahlreichen Untersuchungen in der Tierernährung geführt.

Meta-Analysen von Geflügelstudien zeigen bislang keine konsistente Verbesserung zentraler Wachstumsparameter durch verschiedene Traubenprodukte; teilweise wurden Veränderungen anderer Parameter wie Darmstruktur beobachtet. Gleichzeitig unterscheiden sich die untersuchten Produkte und Studien erheblich. (48)(49)

Traubentrester, Traubenschalen, Traubenkernmehl, Extrakte und kaltgepresster Traubenkernkuchen sind deshalb nicht gleichzusetzen. Für unseren Traubenkernkuchen und andere Presskuchen mit wenig direkter tierartspezifischer Forschung bleibt die analytische Zusammensetzung die erste belastbare Grundlage für ihre ernährungsphysiologische Einordnung.


Was sich aus Futterölen und Presskuchen ableiten lässt

Futteröle und Presskuchen können aus derselben Saat stammen und trotzdem unterschiedliche ernährungsphysiologische Aufgaben erfüllen. Das Öl konzentriert vor allem die Fettfraktion und ihr Fettsäureprofil; der Presskuchen enthält dagegen Protein, Faser, Mineralstoffe, Restöl und unterschiedliche Anteile weiterer Samenbestandteile.

Deshalb lässt sich weder von einer Saat automatisch auf ihr Öl noch von einem Extrakt auf einen Presskuchen schließen.

Für die praktische Fütterung bleibt damit eine zentrale Frage:

Was soll durch die Ergänzung konkret erreicht werden – und welche Zusammensetzung bringt genau dieses Futtermittel dafür in die gesamte Ration ein?

Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, ob ein Öl, ein Presskuchen oder überhaupt eine zusätzliche Ergänzung notwendig ist.

Wer sich die unterschiedlichen Produkte nach dieser Einordnung konkret ansehen möchte, findet hier unsere Futteröle und Presskuchen für Tiere.

 

7. Tierfütterung im Herbst und Winter

Sinkende Temperaturen können den Energiebedarf eines Tieres erhöhen – aber nicht jedes Tier braucht im Winter automatisch mehr Futter. Entscheidend ist, ob tatsächlich zusätzliche Energie für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur benötigt wird. Tierart, Fell oder Gefieder, Körperkondition, Aktivität, Wind, Nässe, Haltung und Futterangebot spielen dabei zusammen.


 

Wann sich der Energiebedarf im Winter tatsächlich verändert

Temperatur, Thermoregulation und Aktivität

Tiere produzieren kontinuierlich Wärme. Innerhalb eines bestimmten Temperaturbereichs können sie ihre Körpertemperatur aufrechterhalten, ohne dafür den Stoffwechsel wesentlich steigern zu müssen. Erst wenn die Umgebung für das jeweilige Tier ausreichend kalt wird, muss zusätzlich Wärme produziert werden – und dafür wird Energie benötigt.

Wo diese Grenze liegt, lässt sich nicht mit einer einzigen Außentemperatur beantworten. Beim Pferd spricht man beispielsweise von der unteren kritischen Temperatur: Unterhalb dieser Temperatur steigt die notwendige Wärmeproduktion. Wo diese Grenze liegt, hängt erheblich von Akklimatisierung, Fell, Alter, Körperkondition, Wind, Niederschlag und Schutzmöglichkeiten ab. (3)

Deshalb können zwei Pferde bei derselben Außentemperatur unterschiedlich reagieren. Ein gesundes Pferd mit dichtem Winterfell, guter Körperkondition und trockenem Unterstand kann Kälte wesentlich besser kompensieren als ein geschorenes, sehr schlankes oder dauerhaft Wind und Nässe ausgesetztes Pferd.

Auch bei Hunden ist eine kältebedingte Steigerung des Energieumsatzes experimentell nachgewiesen. In einer älteren kontrollierten Untersuchung erhöhte eine vierwöchige Anpassung erwachsener Hunde an 3 °C den gemessenen Energieverbrauch um 38 Prozent. (51) Daraus lässt sich allerdings keine allgemeine Formel wie „Hunde brauchen im Winter 38 Prozent mehr Futter“ ableiten. Untersucht wurde eine konkrete Versuchssituation; Größe, Fell, Aktivität, Haltung und tatsächliche Kälteexposition können den Bedarf im Alltag erheblich verändern.

Hinzu kommt die Bewegung. Ein Hund, der im Winter genauso viel Zeit im beheizten Haus verbringt wie im Sommer und draußen lediglich seine normalen Spaziergänge absolviert, befindet sich in einer anderen Situation als ein Arbeits-, Jagd- oder Hofhund, der viele Stunden täglich draußen aktiv ist.

Nicht die Jahreszeit erhöht den Energiebedarf, sondern die tatsächliche energetische Belastung des Tieres.


Futterangebot, Wasseraufnahme und Körperkondition

Ob eine Winterration angepasst werden sollte, lässt sich deshalb nicht allein am Thermometer erkennen. Besonders hilfreich ist der Verlauf der Körperkondition.

Verliert ein Tier trotz unveränderter Fütterung über mehrere Wochen an Gewicht oder Körperfett, kann das darauf hinweisen, dass Energieaufnahme und Energieverbrauch nicht mehr zusammenpassen. Nimmt es dagegen zu, wäre zusätzliches Winterfutter gerade nicht sinnvoll.

Auch das Futterangebot selbst kann sich saisonal verändern. Beim Pferd fällt beispielsweise Weidegras zunehmend weg und wird durch konserviertes Raufutter ersetzt. Damit verändern sich Wassergehalt, Energie- und Nährstoffangebot der Ration unabhängig von der Temperatur.

Wasser bleibt auch im Winter essentiell. Kälte senkt den Wasserbedarf nicht auf null, und eingeschränkter Zugang zu Wasser kann gerade bei trockener Fütterung problematisch werden. Beim Pferd hängt die Wasseraufnahme unter anderem von Futterart, Aktivität und Umweltbedingungen ab. (3)

Winterfütterung bedeutet deshalb nicht einfach „mehr füttern“, sondern zu beobachten, ob sich Energiebedarf, Futterangebot, Wasseraufnahme oder Körperkondition tatsächlich verändern.


Pferde im Winter richtig füttern

Pferde sind an faserreiche Nahrung angepasst, und genau diese Verdauungsphysiologie ist im Winter besonders interessant. Bei der mikrobiellen Fermentation von Faser im Blind- und Dickdarm entsteht neben verwertbaren kurzkettigen Fettsäuren auch Wärme.

Aktuelle veterinärmedizinische Empfehlungen nennen deshalb zusätzliches Raufutter als bevorzugten Weg, wenn bei Kälte tatsächlich mehr Energie benötigt wird. Besonders relevant wird dies bei Temperaturen unterhalb der individuellen unteren kritischen Temperatur. (3)

Ob zusätzliches Winterfutter erforderlich ist, sollte deshalb vor allem an Körperkondition, Raufutterqualität und tatsächlicher Kältebelastung beurteilt werden. Anders kann die Situation bei älteren oder sehr schlanken Pferden, geschorenen Tieren, Pferden ohne ausreichenden Witterungsschutz oder Tieren mit höherer Arbeitsleistung aussehen. Merck weist ausdrücklich darauf hin, dass besonders ältere Pferde mit niedriger Körperkondition bei Temperaturen unterhalb ihrer kritischen Temperatur zusätzliche verdauliche Energie benötigen können. (3)

Auch eine zusätzliche Fettquelle kann die Energiedichte einer Ration erhöhen. Ob dafür beispielsweise ein Futteröl sinnvoll ist, sollte aber nach dem in Kapitel 6 beschriebenen Prinzip entschieden werden: Besteht tatsächlich zusätzlicher Energiebedarf, und passt die Ergänzung zur übrigen Ration?

Eine gute Winterration für Pferde beginnt deshalb nicht beim Kraftfutter oder Futteröl, sondern bei ausreichendem geeignetem Raufutter, Wasser, Körperkondition und den tatsächlichen Haltungsbedingungen.

 

Hunde und Katzen im Winter richtig füttern

Bei Hunden und Katzen hängt der Einfluss des Winters besonders stark von ihrer tatsächlichen Lebensweise ab. Ein überwiegend in beheizten Innenräumen lebendes Tier ist nur für begrenzte Zeit niedrigen Außentemperaturen ausgesetzt. Die Jahreszeit allein begründet deshalb keine automatische Erhöhung der Futtermenge.

Bei Hunden mit längerer Kälteexposition kann der Energieverbrauch dagegen steigen. Wie stark, hängt unter anderem von Körpergröße, Fell, Körperkondition, Aktivität, Akklimatisierung und Witterungsschutz ab. (51)

Gerade bei aktiven Hunden kann zudem die Bewegung wichtiger sein als die Außentemperatur allein. Mehrstündige Arbeit im Freien verändert den Energiebedarf wesentlich stärker als ein kurzer Spaziergang bei niedrigen Temperaturen. Umgekehrt bewegen sich manche Familienhunde im Winter weniger und benötigen deshalb trotz Kälte keineswegs mehr Energie.

Bei Katzen gilt dasselbe Grundprinzip. Eine Wohnungskatze erlebt ernährungsphysiologisch kaum einen „Winter“ im selben Sinn wie eine Katze, die viel Zeit im Freien verbringt. Pauschale saisonale Fütterungsempfehlungen werden diesen Unterschieden nicht gerecht.

Für Hund und Katze ist deshalb der Verlauf von Körpergewicht und Körperkondition wesentlich aussagekräftiger als der Kalender. Bleiben Gewicht, Körperkondition, Aktivität und Allgemeinzustand stabil, gibt es allein aufgrund der Jahreszeit keinen zwingenden Grund, die Energiezufuhr zu erhöhen.

 

Hühner im Winter richtig füttern

Auch Hühner müssen ihre Körpertemperatur innerhalb enger Grenzen stabil halten. Sinkt die Umgebungstemperatur deutlich unter den für das jeweilige Tier günstigen Bereich, wird zusätzliche Energie für die Wärmeproduktion benötigt.

Experimentelle Untersuchungen an Broilern zeigen, dass ausgeprägter Kältestress den Energiestoffwechsel verändert und je nach Dauer und Intensität unter anderem Wachstum, Futterverwertung und physiologische Stressreaktionen beeinflussen kann. (52)(53)

Dabei müssen solche Versuchsdaten vorsichtig auf private Hühnerhaltung übertragen werden. Broilerlinien, Alter, Haltung und kontrollierte Versuchstemperaturen entsprechen nicht automatisch einer ausgewachsenen Legehenne im heimischen Stall.

Für die praktische Winterfütterung ist deshalb nicht nur die Außentemperatur entscheidend. Trockener und windgeschützter Stallbereich, Gefieder, Alter, Gesundheitszustand, Legeleistung, Futteraufnahme und verfügbare Energie wirken zusammen.

Da Hühner ihre Futteraufnahme auch in Abhängigkeit von der Energiedichte der Ration regulieren, muss außerdem die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen weiterhin zur aufgenommenen Futtermenge passen. Besonders bei Legehennen bleibt die Calciumversorgung unabhängig von der Jahreszeit eng mit der Eiproduktion verbunden. (4)(5)

Auch hier gilt deshalb: Winter ist kein eigener Nährstoffbedarf. Er verändert die Bedingungen, unter denen der bereits bekannte Bedarf gedeckt werden muss.

 

8. Woran erkennt man eine passende und bedarfsgerechte Fütterung?

Ob eine Ration tatsächlich zum Tier passt, zeigt sich nicht an einer einzelnen Zutat und auch nicht an einem einzelnen äußerlichen Merkmal. Aussagekräftiger ist die Entwicklung des Tieres über die Zeit: Körpergewicht und Körperkondition, Muskelmasse, Leistungsfähigkeit, Verdauung, Futter- und Wasseraufnahme sowie mögliche Veränderungen von Gesundheit und Verhalten ergeben gemeinsam ein wesentlich belastbareres Bild.


Körperkondition, Gewicht und Leistungsfähigkeit

Das Körpergewicht ist ein einfacher und nützlicher Verlaufsparameter – aber allein nicht ausreichend. Ein Tier kann dasselbe Gewicht halten und gleichzeitig Fett aufbauen und Muskelmasse verlieren.

Deshalb werden bei Hund und Katze neben dem Körpergewicht zwei unterschiedliche Beurteilungen verwendet: Der Body Condition Score (BCS) beschreibt vor allem die Körperfettreserven, während der Muscle Condition Score (MCS) die Muskelmasse beurteilt. AAHA und WSAVA empfehlen, beide Größen im Rahmen einer Ernährungsbeurteilung regelmäßig zu erfassen. (54)(55)

Das ist mehr als eine akademische Unterscheidung. Besonders bei älteren oder erkrankten Tieren kann Muskelmasse abnehmen, obwohl das Körpergewicht oder sogar der BCS zunächst relativ unauffällig erscheinen. Untersuchungen bei Katzen bestätigen, dass die Beurteilung der Muskelkondition zusätzliche Informationen liefern kann, die über das Körpergewicht allein hinausgehen. (56)

Auch beim Pferd ist die regelmäßige Beurteilung von Gewicht und Body Condition Score ein wichtiger Bestandteil der Rationskontrolle. Eine ernährungsmedizinische Beurteilung umfasst darüber hinaus den tatsächlichen Bedarf, die Zusammensetzung der Ration und die Fütterungspraxis. (57)(58)

Damit entsteht ein wesentlich sinnvollerer Maßstab als die Frage, ob ein Tier „gut genährt aussieht“: Bleiben Körperfett, Muskelmasse, Gewicht und Leistungsfähigkeit über die Zeit in einem zur Lebenssituation passenden Bereich?


Haut, Fell, Gefieder und Verdauung

Haut, Fell oder Gefieder werden häufig als sichtbarer Beweis für eine besonders gute oder schlechte Ernährung interpretiert. Tatsächlich können Veränderungen ernährungsbedingt sein – sie sind aber selten spezifisch genug, um daraus allein auf einen bestimmten Nährstoffmangel oder die Qualität einer Ration zu schließen.

Ein stumpfes Fell kann beispielsweise mit der Ernährung zusammenhängen, aber ebenso mit Hauterkrankungen, Parasiten, hormonellen Veränderungen oder anderen gesundheitlichen Problemen. Umgekehrt beweist glänzendes Fell nicht, dass sämtliche essentiellen Nährstoffe optimal abgedeckt sind.

Dasselbe gilt für die Verdauung. Kotmenge und -konsistenz, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen können wertvolle Hinweise darauf geben, wie ein Tier eine Ration verträgt. Sie beantworten aber nicht automatisch die Frage nach der vollständigen Nährstoffversorgung.

Gerade hier hilft die Unterscheidung aus den vorherigen Kapiteln: Verträglichkeit, Verdaulichkeit und Bedarfsdeckung sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Bei Pferden kommen weitere Beobachtungen hinzu, etwa Raufutteraufnahme, Kauverhalten und Veränderungen der Körperkondition. Beim Geflügel können neben Körpergewicht und Futteraufnahme auch Legeleistung, Eierschalenqualität und Gefieder Hinweise liefern. Einzelne Veränderungen sollten jedoch auch dort nicht vorschnell einer bestimmten Futterkomponente zugeschrieben werden.


Futter- und Wasseraufnahme

Eine Veränderung der Futter- oder Wasseraufnahme kann ernährungsphysiologisch interessant sein, aber auch ein frühes Zeichen gesundheitlicher Probleme darstellen.

Deshalb ist nicht nur die absolute Menge relevant, sondern vor allem eine unerklärte Veränderung gegenüber dem individuellen Normalzustand. Frisst ein Tier plötzlich deutlich weniger oder mehr, verliert es Gewicht oder verändert sich seine Wasseraufnahme ohne offensichtlichen Grund, sollte nicht automatisch zuerst das Futter „optimiert“ werden.

WSAVA und AAHA zählen unter anderem Veränderungen von Appetit, Körpergewicht, Körperkondition und Muskelmasse zu den Faktoren, die eine weitergehende Ernährungsbeurteilung sinnvoll machen können. (54)(55)

Auch hier ist der Verlauf entscheidend. Wer zumindest grob weiß, wie viel sein Tier normalerweise frisst und trinkt und wie sich sein Gewicht entwickelt, erkennt Veränderungen wesentlich früher als jemand, der die Ration ausschließlich anhand der Zutatenliste beurteilt.


Wann eine professionelle Beurteilung der Ration sinnvoll ist

Nicht jede Fütterung muss ständig analytisch berechnet werden. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine professionelle Beurteilung der Ration besonders sinnvoll ist.

Dazu gehören unter anderem Wachstum, Trächtigkeit und Laktation, deutliche Gewichtsveränderungen, Muskelverlust, chronische Erkrankungen, dauerhaft auffällige Verdauung, besondere Leistungsanforderungen sowie selbst zusammengestellte Rationen, bei denen die Bedarfsdeckung nicht anderweitig abgesichert ist. AAHA und WSAVA nennen solche Faktoren ausdrücklich als Anlass für eine weitergehende Ernährungsbeurteilung bei Hund und Katze. (54)(55)

Beim Pferd gilt ein ähnliches Prinzip. Veränderungen von Gesundheitszustand, Körperkondition, Lebensphase oder Leistungsanforderung sind Gründe, die bestehende Fütterung neu zu bewerten. Eine solche Beurteilung umfasst nicht nur das Tier, sondern auch die vorhandene Ration und das tatsächliche Fütterungsmanagement. (57)

Dabei ist eine professionelle Rationsbewertung nicht erst dann sinnvoll, wenn bereits ein klinischer Mangel entstanden ist. Ihr eigentlicher Wert liegt gerade darin, Bedarf und tatsächliche Versorgung miteinander zu vergleichen, bevor langfristige Probleme sichtbar werden.

Und damit schließt sich der Kreis zum Anfang dieses Artikels: Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein einzelnes Futtermittel gesund klingt, möglichst natürlich ist oder besonders viele interessante Inhaltsstoffe besitzt.

Entscheidend ist, ob die gesamte Fütterung zum Bedarf des konkreten Tieres passt – und ob sie sich in der Praxis auch tatsächlich bewährt.


Fazit – Die Gesamtration entscheidet

Bedarfsgerechte Tierernährung lässt sich nicht auf eine einzelne Zutat, eine bestimmte Fütterungsform oder möglichst viele vermeintlich wertvolle Inhaltsstoffe reduzieren. Entscheidend ist, was ein Tier tatsächlich braucht, was die gesamte Ration davon bereitstellt und wie gut es diese Nährstoffe nutzen kann.

Damit verlieren viele einfache Gegensätze an Bedeutung. Roh oder verarbeitet, tierisch oder pflanzlich, selbst zusammengestellt oder fertig formuliert sind zunächst Eigenschaften einer Fütterung – noch keine Qualitätsurteile. Erst Tierart, Lebensphase, Zusammensetzung, Verdaulichkeit, Nährstoffversorgung, Fütterungspraxis und die verfügbare wissenschaftliche Evidenz erlauben eine sinnvolle Einordnung.

Dasselbe gilt für Ergänzungsfuttermittel. Ein Futteröl oder Presskuchen ist nicht deshalb sinnvoll, weil es interessante Inhaltsstoffe besitzt. Es wird dann interessant, wenn sein konkretes Nährstoffprofil eine nachvollziehbare Aufgabe innerhalb der Ration erfüllt.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke dieses Artikels: Gute Tierfütterung beginnt nicht mit der Frage „Was kann ich meinem Tier noch geben?“, sondern mit der Frage:

„Was braucht mein Tier – und was liefert seine Ernährung bereits?“


Quellenverzeichnis

(1) FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs, aktuelle Fassung 2025.

(2) Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Small Animals. Grundlagen zu Energie-, Protein-, Fett-, Vitamin- und Mineralstoffbedarf sowie artspezifischen Besonderheiten von Hund und Katze.

(3) Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Horses and Other Equids, aktualisierte Fassung Februar 2026. Grundlagen zu Energie, Protein und Aminosäuren, Faser, Mineralstoffen sowie Wasserbedarf des Pferdes.

(4) Merck Veterinary Manual: Nutritional Requirements of Poultry. Grundlagen zu Energie, essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen, Vitaminen und Wasser.

(5) Merck Veterinary Manual: Protein, Amino Acid, and Energy Deficiencies in Poultry. Zur Bedeutung essentieller Aminosäuren und der Energiedichte gegenüber der alleinigen Betrachtung des Rohproteingehalts.

(6) Moreno et al.: Review zur Bedeutung unterschiedlicher Faserarten, Fermentierbarkeit und physiologischen Wirkung in der Tierernährung. PMID 36288203.

(7) Pedrinelli V. et al.: Untersuchung von 106 Rezepten für selbst zubereitete Hunde- und Katzenrationen hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit Ernährungsempfehlungen. PMID 29152237; PMC 5672303.

(8) Dillitzer N. et al.: Untersuchung der Nährstoffversorgung von 95 BARF-Rationen erwachsener Hunde. PMID 22005436.

(9) Dodd S., Barry M., Grant C., Verbrugghe A.: Abnormal bone mineralization in a puppy fed an imbalanced raw meat homemade diet diagnosed and monitored using dual-energy X-ray absorptiometry. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition. PMID 31144390.

(10) Enhanced omega-3 index after long- versus short-chain omega-3 fatty acid supplementation in dogs. PMID 33022896.

(11) Early and sustained enrichment of serum n-3 long chain polyunsaturated fatty acids in dogs fed a flaxseed supplemented diet. PMID 19890671; ergänzend PMID 22005411 zur ALA-Verstoffwechselung bei verschiedenen Hunderassen.

(12) Mueller R. S. et al.: Effect of omega-3 fatty acids on canine atopic dermatitis. Journal of Small Animal Practice. PMID 15206474.

(13) Carciofi A. C. et al.: Effects of six carbohydrate sources on dog diet digestibility and post-prandial glucose and insulin response. PMID 18477314.

(14) de-Oliveira L. D. et al.: Effects of six carbohydrate sources on diet digestibility and postprandial glucose and insulin responses in cats. PMID 18469063.

(15) Biswas S., Kim I. H.: A thorough review of phytogenic feed additives in non-ruminant nutrition: production, gut health, and environmental concerns. Journal of Animal Science and Technology, 2025. PMID 40519609.

(16) Biswas S., Ahn J. M., Kim I. H.: Assessing the potential of phytogenic feed additives: A comprehensive review on their effectiveness as a potent dietary enhancement for nonruminant in swine and poultry. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 2024. PMID 38264830.

(17) Kheto A. et al.: Anti-nutritional factors: Nutrient interactions, processing interventions, and health aspects. Food Chemistry, 2025. PMID 41135145.

(18) Jobe M. T., Downs K. M.: Systematic Review and Meta-Analysis of Quality Claims Associated with Fresh Pet Food: Evaluating Scientific Evidence for Additives, Ingredient Quality, and Effects of Processing in Pet Nutrition. Animals, 2025. PMID 41514729.

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(22) Cold-Pressed Oilseed Cakes as Alternative and Sustainable Feed Ingredients: A Review. PMID 36765964.

(23) Hiney K. et al.: Untersuchung zu Darmmikrobiom, Serum-Metabolom und Entzündungsmarkern bei roh bzw. mit Trockenfutter gefütterten Hunden. 2024. PMID 38694479.

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(26) Vergleich gefrorener roher, gefriergetrockneter roher, frischer und extrudierter Hundefutter. Translational Animal Science, 2024. PMID 39687915.

(27) Lyu Y. et al.: Current Evidence on Raw Meat Diets in Pets: A Natural Symbol, but a Nutritional Controversy. Animals, 2025. PMID 39943063.

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(30) Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Rohfleischfütterung und Ausscheidung antibiotikaresistenter E. coli bei Hunden. 2024. PMID 39314877.

(31) Bernaquez I. et al.: Untersuchung zu arzneimittelresistenten Salmonellen und möglichen Übertragungswegen zwischen roh gefütterten Hunden und Menschen. Communications Medicine, 2025. PMID 40467866.

(32) Mace J. L., Nicholles B., Knight A.: How Nutritionally Sound Is Commercially Available Vegan Pet Food Relative to Meat-Based Pet Food? A Systematic Review. Animals, 2026. PMID 42511108. COI-Kontext: Erstautorin im Auftrag der Sustainable Pet Food Foundation; Knight dort affiliiert; weiterer Autor Berater eines Tierfutterunternehmens.

(33) Scoping Review von 32 Publikationen zu Wasseraufnahme, Hydrationsstatus und Futterform bei Hauskatzen. PMID 41389339.

(34) Knight A.: The Digestibility of Vegan and Vegetarian Diets for Dogs and Cats. Animals, 2026. PMID 42193745. Kontext: Einzelautor; Affiliation unter anderem Sustainable Pet Food Foundation; formal keine Interessenkonflikte deklariert.

(35) Linde A. et al.: Domestic dogs maintain clinical, nutritional, and hematological health outcomes when fed a commercial plant-based diet for a year. PLOS ONE, 2024. PMID 38625934. Funding: Plant-Based Dog Food Health Study Initiative; laut Autoren kein Einfluss des Geldgebers auf Studiendesign, Analyse oder Publikation und kein Sponsoring durch den Hersteller des untersuchten Futters.

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(37) Domínguez-Oliva A. et al.: The Impact of Vegan Diets on Indicators of Health in Dogs and Cats: A Systematic Review. Veterinary Sciences, 2023. PMID 36669053.

(38) Knight A. et al.: Vegan versus meat-based dog food: Guardian-reported health outcomes in 2,536 dogs, after controlling for canine demographic factors. Heliyon, 2024. PMID 39319144. COI-Kontext: deklarierte Forschungsförderungen bzw. Beziehungen unter anderem zu ProVeg International, Representing Animals, Edgard & Cooper und VEGDOG.

(39) Hansen R. A. et al.: Effects of dietary flaxseed oil supplementation on equine plasma fatty acid concentrations and whole blood platelet aggregation. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2002. Zwölf Pferde, 18-wöchiger Fütterungsversuch. PMID 12141309.

(40) Burron S. et al.: Untersuchung zu Leindotter-, Lein- und Rapsöl hinsichtlich Plasmafettsäuren und Gesundheitsparametern bei Pferden. Animal, 2023. Randomisierte Untersuchung mit 30 Pferden über 16 Wochen. PMID 38070473.

(41) Folgeuntersuchung zu Lein-, Leindotter- und Rapsöl hinsichtlich Hautfettsäuren sowie Immun- und Entzündungsreaktionen bei erwachsenen Pferden. 2025. PMID 39901745. Die Finanzierung umfasste unter anderem öffentliche Forschungsförderung und Smart Earth Camelina Corp.; Unternehmensaffiliationen einzelner Autoren sind bei der Einordnung zu berücksichtigen.

(42) Martinelli T. et al.: Use of Milk Thistle in Farm and Companion Animals: A Review. Review zu Mariendistel, Silymarin, Samen und Pressprodukten bei verschiedenen Tierarten. PMID 36302565.

(43) Oryschak M. A. et al.: Untersuchung steigender Einsatzmengen von Camelina sativa-Kuchen bei Broilern hinsichtlich klinischer Auffälligkeiten, Futteraufnahme und Nährstoffverdaulichkeit. 744 Broiler; 0, 8, 16 und 24 % Leindotterkuchen. PMID 32705027.

(44) Untersuchung zum Nährwert kaltgepressten Leindotterkuchens und seiner Energie- und Aminosäureverfügbarkeit bei Broilern. PMID 26994204.

(45) Tufarelli V. et al.: Untersuchung von Hanfpresskuchen bei 180 langsam wachsenden Broilern mit 0, 5 und 10 % Einsatzmenge. PMID 37715944.

(46) Untersuchung des teilweisen Ersatzes von Sojaschrot durch Hanfpresskuchen bei 240 Hühnern mit Einsatzmengen bis 20 %. PMID 39571197.

(47) Tilahun M. et al.: Dietary inclusion of black cumin (Nigella sativa L.) seed meal in broiler chickens: Effects on growth performance, cecal microbiota, and cost efficiency. 2026. 144 Broiler, 0–4,5 % Schwarzkümmelsamenmehl über 45 Tage. PMID 42358238. Die Autoren deklarieren keine konkurrierenden finanziellen oder persönlichen Interessen.

(48) Meta-Analyse kontrollierter Fütterungsstudien zu Trauben und Trauben-Nebenprodukten bei Broilern hinsichtlich Wachstum und weiterer physiologischer Parameter. PMID 41887174.

(49) Meta-Analyse von 20 Studien zu Traubentrester in Broilerrationen hinsichtlich Wachstum, Schlachtkörpermerkmalen und Fleischqualität. 2025. PMID 40499237. Die Autoren deklarieren keine Interessenkonflikte.

(50) Merck Veterinary Manual: Feeding Practices in Horses and Other Equids, aktualisierte Fassung 2026. Zur Bedeutung von Raufutter und zur Frage, wann zusätzliche Konzentrate bei ausgewachsenen Pferden tatsächlich erforderlich sind.

(51) Crist K. A., Romsos D. R.: Evidence for cold-induced but not for diet-induced thermogenesis in adult dogs. Journal of Nutrition, 1987. Erwachsene Hunde zeigten nach vierwöchiger Haltung bei 3 °C einen um 38 % erhöhten Energieumsatz. PMID 3612306.

(52) Moreira L. M. et al.: Effects of cold stress on physiologic metabolism in the initial phase and performance of broiler rearing. Journal of Thermal Biology, 2024. Kontrollierte Untersuchung an 274 Broilern zu Auswirkungen wiederholter Kälteexposition in der frühen Aufzucht. PMID 38181614.

(53) Zhou H. J. et al.: Effects of cold stress on growth performance, serum biochemistry, intestinal barrier molecules, and adenosine monophosphate-activated protein kinase in broilers. Animal, 2021. 144 Broiler; 72 Stunden Kältestress bei 16 °C gegenüber 28 °C. PMID 33573943.

(54) Cline M. G. et al.: 2021 AAHA Nutrition and Weight Management Guidelines for Dogs and Cats. Journal of the American Animal Hospital Association, 2021. Empfehlungen zur regelmäßigen Ernährungsbeurteilung einschließlich Körpergewicht, Body Condition Score und Muscle Condition Score. PMID 34228790.

(55) Freeman L. et al.: WSAVA Nutritional Assessment Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery / Journal of Small Animal Practice, 2011. Ernährungsbeurteilung als „fifth vital assessment“; Berücksichtigung unter anderem von Körpergewicht, BCS, MCS, Fütterung, Lebensphase und gesundheitlichen Risikofaktoren. PMID 21704901.

(56) Freeman L. M. et al.: Usefulness of muscle condition score and ultrasonographic measurements for assessment of muscle mass in cats with cachexia and sarcopenia. American Journal of Veterinary Research, 2020. Prospektive Untersuchung an 40 Katzen zur Beurteilung der Muskelmasse. PMID 32101040.

(57) Hesta M., Shepherd M.: How to Perform a Nutritional Assessment in a First-Line/General Practice. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 2021. Zur systematischen Beurteilung von Pferd, Ration und Fütterungsmanagement. PMID 33820607.

(58) Pyrek P., Siwinska N., Zak-Bochenek A.: Reproducibility of the body condition score assessment in Silesian horses, using the 9-point BCS scale. Veterinary Research Communications, 2023. Untersuchung an 49 Pferden zur Reproduzierbarkeit des Body Condition Scores. PMID 35316481.

Andreas Steer