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Was macht man mit einer Flasche Leinöl, in der nur noch ein kleiner Rest steckt? Kann man Öl eigentlich einfrieren? Muss es weg, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist? Und kann man Butter beim Backen wirklich durch Öl ersetzen?
Über die Jahre sammeln sich bei uns in der Ölmühle ganz automatisch viele solcher kleinen Erfahrungen. Manche sind erstaunlich einfach, andere vielleicht ein bisschen überraschend – und viele helfen dabei, gutes Öl länger frisch zu halten und möglichst bis zum letzten Tropfen sinnvoll zu nutzen.
Ein paar dieser Kniffe gehören bei uns längst zum Alltag. Und vielleicht ist ja auch einer dabei, bei dem ihr euch hinterher fragt, warum ihr das eigentlich nicht schon immer so gemacht habt.
Der letzte Rest in der Flasche – lieber nicht zu lange aufheben
Eigentlich ist es ein bisschen paradox: Je weniger Öl noch in einer Flasche ist, desto länger steht sie manchmal im Kühlschrank oder Küchenschrank. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, den Rest aufzubrauchen.
Je leerer die Flasche wird, desto mehr Luft befindet sich darin. Das verbliebene Öl kommt dadurch stärker mit Sauerstoff in Kontakt und kann schneller oxidieren. Gerade bei empfindlichen Ölen wie Leinöl kann sich das irgendwann auch geschmacklich bemerkbar machen.
Sind also nur noch ein paar Esslöffel übrig, am besten gleich für die nächsten Mahlzeiten einplanen: Leinöl ins Müsli oder zu Kartoffeln, Hanföl über fertig gegartes Gemüse oder den letzten Schuss Rapsöl ins Salatdressing.
Und wenn wirklich nur noch ein dünner Rest in der Flasche steckt, kann man das Dressing sogar direkt darin zubereiten: etwas Essig, Senf, Salz und Gewürze dazugeben, Flasche verschließen und kräftig schütteln. So bekommt man auch die letzten Tropfen noch mit heraus.
Wer Öl aus größeren Gebinden verwendet, kann einen kleineren Rest außerdem in eine saubere, kleinere Flasche umfüllen. Weniger Luft in der Flasche bedeutet auch weniger Kontakt mit Sauerstoff.
Öl auf Vorrat? Einfach einfrieren
Was viele nicht wissen: Pflanzenöl lässt sich sehr gut einfrieren. Gerade bei empfindlichen Ölen wie Leinöl ist das praktisch, wenn man mehrere Flaschen auf Vorrat gekauft hat und diese nicht alle in kurzer Zeit verbrauchen wird.
Das Öl einfach gut verschlossen einfrieren und erst wieder herausnehmen, wenn es gebraucht wird. Wer nicht gleich eine ganze Flasche auftauen möchte, kann seinen Vorrat natürlich auch in kleineren Portionen einfrieren.
Bei niedrigen Temperaturen kann Öl trüb, dickflüssig oder teilweise fest werden. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches – beim Auftauen verändert sich die Konsistenz wieder.
Entscheidend ist vor allem der Zeitpunkt: Lieber ein frisches Öl frühzeitig einfrieren, als damit zu warten, bis es bereits deutlich an Geschmack verloren hat. Die Kälte verlangsamt die Alterung des Öls, zurückdrehen kann sie sie natürlich nicht.
Gerade beim Leinöl ist das für uns einer dieser kleinen Tipps, die erstaunlich praktisch sind, wenn man sie einmal kennt.
MHD überschritten? Erst prüfen, dann entscheiden
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Wegwerfdatum. Eine Flasche Öl ist nicht automatisch unbrauchbar, nur weil das aufgedruckte Datum überschritten wurde.
Bei Öl kann man sich sehr gut auf die eigenen Sinne verlassen: anschauen, riechen und vorsichtig probieren. Riecht es noch angenehm und sortentypisch? Schmeckt es so, wie man es kennt? Dann gibt es keinen Grund, es allein wegen des Datums auszusortieren.
Mit zunehmendem Alter können sich Geruch und Geschmack allerdings verändern. Ein Öl kann bitterer, stechender oder unangenehm kratzig werden. Entwickelt es schließlich einen eindeutig unangenehmen, ranzigen Geruch oder Geschmack, würden wir es nicht mehr zum Essen verwenden.
Gerade Leinöl verändert sich schneller als viele andere Öle. Sein hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren macht es besonders empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und Wärme. Deshalb gehört geöffnetes Leinöl bei uns grundsätzlich in den Kühlschrank.
Noch ein kleiner Tipp beim Prüfen: Nicht nur am Flaschenhals riechen. Dort bleiben gerne einzelne Tropfen zurück, die besonders viel Kontakt mit Luft haben und schneller altern können als das Öl im Inneren. Lieber einen kleinen Tropfen des eigentlichen Öls beurteilen.
Kleine Ölreste? Oft fehlt nur die passende Idee
Nicht jeder Rest braucht gleich eine zweite Verwendung außerhalb der Küche. Manchmal fehlt einfach nur die Idee, wo die letzten zwei oder drei Esslöffel noch hineinpassen.
Leinöl schmeckt nicht nur zu den klassischen Pellkartoffeln mit Quark, sondern auch im Müsli, zu Joghurt oder über fertig gegartem Gemüse. Hanföl macht sich wunderbar in Dips, Bowls oder Salaten. Ein wenig Kürbiskernöl kann eine Suppe abrunden – und wer es noch nie ausprobiert hat, sollte ein paar Tropfen davon einmal zu Vanilleeis testen.
Auch Pestos, Marinaden und Dressings sind dankbare Resteverwerter. Gerade bei geschmacksintensiveren Ölen reichen oft schon kleine Mengen, um einem Gericht noch einmal eine ganz andere Richtung zu geben.
Manchmal ist die beste Resteverwertung also gar keine besondere Technik, sondern schlicht: noch etwas richtig Gutes daraus machen.
Butter durch kaltgepresstes Öl ersetzen – beim Backen funktioniert das erstaunlich gut
Butter gehört für viele ganz selbstverständlich zum Backen. Dabei lässt sie sich gerade bei Rührkuchen, Muffins und vielen anderen saftigen Teigen sehr gut durch Pflanzenöl ersetzen.
Und das muss keineswegs nur eine Lösung sein, wenn gerade keine Butter im Kühlschrank liegt. Ein gutes kaltgepresstes Raps- oder Senföl kann ganz bewusst Teil eines Backrezeptes sein – entweder mild im Hintergrund oder, je nach Gebäck, mit einer feinen eigenen Geschmacksnote.
Entscheidend ist nur, die Butter nicht einfach im Verhältnis 1:1 durch Öl auszutauschen. Butter besteht schließlich nicht ausschließlich aus Fett, sondern enthält auch einen gewissen Anteil Wasser. Pflanzenöl dagegen besteht nahezu vollständig aus Fett.
Bei uns hat sich deshalb eine ganz einfache Faustregel bewährt:
Buttermenge × 0,8 = Ölmenge
plus 10 % der ursprünglichen Buttermenge als Wasser
Aus 100 g Butter werden also 80 g Öl + 10 g Wasser.
Bei 200 g Butter sind es 160 g Öl + 20 g Wasser.
Das Schöne daran: Mit Öl und Wasser werden die für viele Rührteige wesentlichen Bestandteile der Butter erstaunlich gut nachgebildet. Das Öl übernimmt den Fettanteil, das zusätzliche Wasser bringt wieder Flüssigkeit in den Teig. Dadurch bleibt der Teig geschmeidig und auch das fertige Gebäck kann schön saftig werden. Die Konsistenz muss also keineswegs darunter leiden, nur weil die Butter fehlt.
Für einen klassischen Kuchen, bei dem sich das Öl geschmacklich eher zurückhalten soll, ist unser kaltgepresstes Rapsöl eine sehr schöne Wahl. Es bringt eine feine eigene Note mit, ohne das Gebäck zu dominieren.
Je nach Rezept darf es aber durchaus etwas charaktervoller sein. Unser mild-würziges Senföl kann zum Beispiel bei herzhaften Backwaren oder kräftigeren Gebäcken, als auch bei deftigen Gerichten eine spannende Alternative sein.
Natürlich funktioniert der Austausch nicht bei jedem Teig gleichermaßen. Wenn gerade die feste Butter für die Struktur wichtig ist – zum Beispiel bei manchen Plätzchen oder Mürbeteigen – würden wir nicht einfach umstellen. Für viele Rührteige ist unsere 80-plus-10-Faustregel dagegen ein kleiner Küchenkniff, den man sich wirklich gut merken kann.
Ein paar Tropfen Pflanzenöl auf die feuchte Haut
Ein gutes Pflanzenöl muss nicht immer in der Küche bleiben. Naturbelassene, ungewürzte Pflanzenöle können auch bei der Körperpflege interessant sein – und dabei macht es tatsächlich einen Unterschied, wann man sie aufträgt.
Besonders praktisch ist die Anwendung direkt nach dem Duschen oder Baden, wenn die Haut noch leicht feucht ist. Pflanzenöle selbst führen der Haut kaum Wasser zu. Sie können aber als rückfettende und geschmeidig machende Pflege wirken und – je nach Öl und Zusammensetzung – die Hautbarriere und den Feuchtigkeitshaushalt unterstützen. Die Eigenschaften verschiedener Pflanzenöle auf der Haut und die Bedeutung ihrer jeweiligen Fettsäurezusammensetzung sind auch in der dermatologischen Fachliteratur beschrieben.[1]
Für den Alltag braucht es daraus keine Wissenschaft zu werden: Nach dem Duschen die Haut einfach nicht vollständig trockenrubbeln, sondern nur leicht abtupfen. Dann wenige Tropfen Öl zwischen den Händen verteilen und auf die noch feuchte Haut geben.
Das hat noch einen ganz praktischen Vorteil: Auf feuchter Haut lässt sich das Öl viel leichter verteilen und man braucht meist erstaunlich wenig davon.
Wer beispielsweise Lein- oder Hanföl ausprobieren möchte, sollte dafür ein frisches, angenehm riechendes und natürlich ungewürztes Öl verwenden. Da jede Haut anders reagiert, bei empfindlicher Haut am besten zunächst an einer kleinen Stelle testen.
Ölziehen – dafür braucht es nicht unbedingt ein spezielles Öl
Auch fürs Ölziehen braucht es grundsätzlich kein eigens dafür hergestelltes Basisöl. Viele frische und ungewürzte Speiseöle können dafür verwendet werden – welches davon man angenehm findet, ist letztlich auch Geschmackssache.
Dafür nimmt man eine kleine Menge Öl in den Mund und bewegt es langsam im Mundraum und zwischen den Zähnen. Anschließend wird das Öl ausgespuckt und nicht heruntergeschluckt.
Wir sehen das Ölziehen dabei vor allem als traditionelles und ergänzendes Ritual zur normalen Mundpflege. Zähneputzen und die Pflege der Zahnzwischenräume ersetzt es natürlich nicht.
Und danach gilt etwas, das auch an anderer Stelle in diesem Artikel noch wichtig wird: Das verwendete Öl bitte nicht ins Waschbecken spucken. Lieber in etwas Küchenpapier aufnehmen oder in einen geeigneten Behälter geben und über den Restmüll entsorgen.
Leinöl für unbehandeltes Holz – wenn es nicht mehr auf den Teller soll

Irgendwann gibt es auch einmal einen Leinölrest, den man nicht mehr essen möchte. Genau dann wird eine ganz andere Eigenschaft des Leinöls interessant: Leinöl gehört zu den trocknenden Ölen und härtet bei Kontakt mit Sauerstoff mit der Zeit aus.
Deshalb wird es traditionell auch zur Behandlung von Holz eingesetzt.
Ein älterer Rest kann beispielsweise noch für den Holzstiel eines Spatens oder Rechens, Werkzeuggriffe oder anderes unbehandeltes Holz in Werkstatt und Garten genutzt werden. Das Öl dünn auftragen, einziehen lassen und überschüssiges Öl anschließend mit einem alten Tuch wieder abnehmen.
Gerade im Herbst passt das wunderbar: Gartengeräte reinigen, die Holzgriffe pflegen und anschließend alles für den Winter wegräumen. So bekommt ein Rest Leinöl noch einmal eine wirklich sinnvolle Aufgabe.
Bei hochwertigen Möbeln, bereits behandelten Hölzern oder unbekannten Oberflächen würden wir vorher an einer unauffälligen Stelle testen.
Bei Leinöl gehört dieser Sicherheitshinweis unbedingt dazu
Mit Leinöl getränkte Lappen dürfen niemals zusammengeknüllt liegen bleiben.
Beim Aushärten reagiert Leinöl mit dem Sauerstoff der Luft und dabei entsteht Wärme. Ist das Öl großflächig auf einem Tuch verteilt und kann diese Wärme nicht entweichen, kann sich der Prozess bis hin zur Selbstentzündung steigern. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung hat solche Brandschäden mehrfach untersucht.[2]
Leinölgetränkte Tücher deshalb entsprechend den Sicherheitshinweisen behandeln – beispielsweise in einem geeigneten geschlossenen, feuerbeständigen Behälter beziehungsweise in Wasser lagern – und bei verwendeten Produkten immer auch die Herstellerangaben beachten.
Klebereste mit einem Ölrest lösen
Noch so ein kleiner Trick, den man sich gut merken kann: Pflanzenöl kann dabei helfen, hartnäckige Klebereste zu lösen.
Wer beispielsweise ein Etikett von einem Marmeladen-, Honig- oder Vorratsglas entfernt hat und anschließend mit der klebrigen Schicht kämpft, gibt etwas Öl darauf, lässt es kurz einwirken und reibt den Rückstand anschließend ab. Danach mit etwas Spülmittel nachreinigen – fertig.
Dafür muss natürlich nicht das frischeste Öl aus dem Kühlschrank herhalten. Genau solche Anwendungen eignen sich wunderbar für einen älteren Rest, den man nicht mehr essen möchte.
Bei lackierten, porösen oder empfindlichen Oberflächen vorher lieber an einer unauffälligen Stelle ausprobieren.
Kann Pflanzenöl auch in die Öllampe?

Pflanzenöle wurden über Jahrhunderte auch zum Beleuchten verwendet. Und in dafür geeigneten Pflanzenöl- oder Öllampen können sie grundsätzlich auch heute noch zum Einsatz kommen.
Wer eine entsprechende Lampe besitzt, findet darin also möglicherweise noch eine Verwendung für einen älteren Ölrest. Entscheidend ist dabei nicht, wie hoch sich ein Öl in der Küche erhitzen lässt, sondern dass Lampe und Docht für Pflanzenöl geeignet sind. Deshalb immer die Angaben des Lampenherstellers beachten.
Und wie bei jeder offenen Flamme gilt selbstverständlich: nicht unbeaufsichtigt brennen lassen.
Vielleicht nicht der Tipp, den man jeden Tag braucht – aber durchaus einer, den man sich merken kann.
Wenn wirklich nichts mehr damit anzufangen ist
Natürlich muss aus jedem letzten Tropfen nicht noch zwanghaft etwas entstehen. Manchmal ist eine Flasche einfach am Ende angekommen.
Dann darf das Öl selbstverständlich auch entsorgt werden – nur bitte nicht in Spüle oder Toilette. Speiseöl gehört nicht ins Abwasser und kann dort unter anderem zu Ablagerungen in den Rohrleitungen beitragen.
Kleine Mengen deshalb gut verschlossen entsprechend den örtlichen Entsorgungsvorgaben beseitigen.
Uns geht es bei all diesen Ideen schließlich nicht darum, aus jedem Ölrest unbedingt noch drei weitere Anwendungen herauszuholen. Vielmehr lohnt es sich, vor dem Wegwerfen einmal kurz zu überlegen: Ist das Öl wirklich nicht mehr gut? Kann ich den Rest noch aufbrauchen? Hätte ich es frühzeitig einfrieren können? Oder findet sich vielleicht noch eine ganz andere Verwendung?
Oft sind es gerade die kleinen Dinge
Den letzten Rest einer Flasche etwas schneller verbrauchen. Leinöl auf Vorrat einfrieren. Beim Backen Butter durch kaltgepresstes Rapsöl ersetzen. Nach dem Duschen ein paar Tropfen Pflanzenöl auf die noch feuchte Haut geben. Oder einen älteren Leinölrest noch einmal für einen Holzgriff verwenden.
Keiner dieser Tipps ist kompliziert. Und genau das gefällt uns daran.
In jeder Flasche Öl steckt schließlich einiges: die Saat und ihr Anbau, die Ernte, der Weg zu uns, das Pressen und schließlich die Arbeit in unserer Ölmühle bis zum fertigen Öl.
Umso schöner finden wir es, wenn möglichst wenig davon ungenutzt bleibt – und man manchmal sogar noch eine Verwendung entdeckt, an die man vorher überhaupt nicht gedacht hätte.
Am besten eben bis zum letzten Tropfen.
Quellen
[1] Lin T-K, Zhong L, Santiago JL: Anti-Inflammatory and Skin Barrier Repair Effects of Topical Application of Some Plant Oils. International Journal of Molecular Sciences, 2018. PubMed PMID 29280987. Die Übersichtsarbeit behandelt die topische Anwendung verschiedener Pflanzenöle sowie deren unterschiedliche Auswirkungen auf Hautbarriere und Hautpflege. PubMed
Quelle bei PubMed öffnen
[2] Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e. V. (IFS): Selbstentzündung im Hobbykeller. Das IFS erläutert anhand eines untersuchten Brandschadens die Selbstentzündungsgefahr von mit Leinöl getränkten Textilien und die sichere Aufbewahrung. Institut für Schadenforschung
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